TKMS-Schiffe und Kooperationen in Konfliktgebieten: Rede von Vincent Kuhn samt Fragen von Facing Finance

„Welche Risikovorbeugung nimmt das Unternehmen vor, um den Einsatz gegen zivile Ziele, etwa im Gazastreifen, zu vermeiden?“, fragt Vincent Kuhn bezüglich israelischer Drohnen, welche von getauchten TKMS-U-Booten operiert werden könnten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat.

Mein Name ist Vincent Kuhn, ich spreche heute im Namen des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. Ich werde heute einige kritische Fragen und Kommentare seitens Facing Finance und anderer Partnerorganisationen vortragen, welche heute leider nicht anwesend sein können.

Zunächst verlese ich die Anmerkungen und Fragen von Luca Schiewe von der Nichtregierungsorganisation Facing Finance.

Waffenlieferungen nach Ägypten

TKMS hat in der Vergangenheit immer wieder U-Boote, Fregatten und Torpedos nach Ägypten geliefert. Und das, obwohl Ägypten seit 2016 gemeinsam mit Saudi-Arabien jemenitische Häfen blockierte und damit mitverantwortlich ist für eine Hungersnot im Jemen, welcher Hunderttausende Zivilisten zum Opfer fielen.

Als TKMS 2019 den Fregatten-Deal mit Ägypten unterzeichnete, wusste TKMS also, dass die Gefahr besteht, dass Ägypten diese Fregatten für eine völkerrechtswidrige Seeblockade im Jemen nutzen könnte. Daher meine erste Frage:

  1. Schließt TKMS in Zukunft Exporte an Staaten, die am Jemenkrieg beteiligt sind oder waren, aus?

U-Boot Deal mit Israel und möglicher Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag

TKMS verstößt möglicherweise gegen den Atomwaffensperrvertrag NPT, indem es U-Boote, die Nuklearwaffen tragen könnten, an Israel verkauft, obwohl Israel nicht Teil des Atomwaffensperrvertrags ist.

Dieser U-Boot Deal von 2016 war dazu nachweislich mit Korruptionszahlungen verbunden, mehrere enge Vertraute des israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu erhielten Schmiergeldzahlungen, u.a. Avriel Bar-Yosef, David Shimron, David Sharan, Eliezer Sandberg, Rami Taib und Yitzhak Molho. Auch derjüngste Bericht der israelischen Untersuchungskommission (Januar 2026) zur U-Boot-Affäre stellt „schwere Mängel“ im Beschaffungsverfahren fest. Daher habe ich folgende Fragen:

  1. Inwiefern ist TKMS von den dort offengelegten Bestechungsvorwürfen betroffen?
  1. Welche Konsequenzen wurden bei TKMS aus diesem Korruptionsskandal gezogen?
  1. Wie will TKMS künftig vermeiden, dass Rüstungsdeals von TKMS mit Schmiergeldzahlungen in Zusammenhang stehen?

Beschuss des Gazastreifens durch Sa’ar 6 Korvetten

2024 und 2025, nachdem israelische Kriegsverbrechen in Gaza sowie der völkerrechtswidrige Einsatz von TKMS Sa’ar 6 Korvetten zum Beschuss von Gaza bekannt geworden waren, lieferte TKMS weitere Komponenten für ebendiese Korvetten nach Israel. Einige institutionelle Investoren mit Investmentrichtlinien gegen Waffenlieferungen an Staaten, die systematisch internationales Recht brechen, schlossen TKMS in der Folge von Investitionen aus. Daher meine Fragen:

  1. Wie will TKMS für diese Investoren künftig wieder attraktiv werden?
  1. Ist TKMS darauf vorbereitet, dass vor nationalen oder internationalen Gerichten Verfahren gegen das Unternehmen eingeleitet werden könnten wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen der israelischen Armee?
  1. Wie geht TKMS mit diesem rechtlichen Risiko um?
  1. Wie will TKMS künftig seine Aktionäre vor solchen rechtlichen Risiken schützen?

Lieferung von INS Drakon U-Booten

Bleiben wir noch kurz bei TKMS Rüstungsgütern im Zusammenhang mit dem Staat Israel.

Luca Schiewe von Facing Finance und Ruth Rohde, Vorstandsmitglied des RüstungsInformationsBüros e.V, haben folgende Fragen bezüglich der Lieferungen des TKMS U-Bootes INS Drakon. Hierzu als Kontext: Der Bundessicherheitsrat genehmigte die Ausfuhr im Dezember 2023, aber es fehlte damals noch die Ausfuhrlizenz vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (kurz BAFA). Wir haben folgende Fragen:

  1. Warum verzögert sich die Auslieferung des U-Boots INS Drakon nach Israel?
  2. Liegt die finale BAFA-Ausfuhrlizenz nach dem Außenwirtschaftsgesetz mittlerweile vor, bzw. wurde eine solche Genehmigung im vergangenen Geschäftsjahr ausgestellt?
  3. Was ist der genaue Stand des INS Drakon Geschäfts? Medienberichten zufolge sollte die Ausfuhr der INS Drakon nach Israel im Jahr 2025 erfolgen, welchen Zeitplan sieht das Unternehmen für die Auslieferung vor?

Kooperation mit SPEAR UAV und Elbit Systems

Herr Burkhardt, Sie erwähnten in Ihrer Eingangsrede die Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungsunternehmen SPEAR UAV, welches mit der VIPER-Serie eine von getauchten U-Booten start- und operierbare Drohne produziert. Aus der israelischen Presse ist bekannt geworden, dass SPEAR auch Loitering Munition entwickelt, die von U-Booten aus an Land geschossen werden kann und dabei Informationen an das U-Boot übermittelt.

  1. Können solche Geschosse von TKMS produzierten U-Booten aus eingesetzt werden? Welche Risikovorbeugung nimmt das Unternehmen vor, um den Einsatz gegen zivile Ziele, etwa im Gazastreifen, zu vermeiden?

Meine Damen und Herren,

Ich möchte nun noch einige kurze Fragen vom politischen Ökonom und Autor Dr. Shir Hever an den Vorstand richten.

Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems hat vor kurzem ein gemeinsames Projekt mit TKMS zur Herstellung von U-Bootteilen in Israel bekannt gegeben. Hierzu folgende Fragen:

  1. Hat TKMS rechtlichen Rat eingeholt, ob diese Zusammenarbeit das Unternehmen unter Umständen Vorwürfen der Beihilfe zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord aussetzt, sowie ob die Zusammenarbeit mit Elbit Systems den internationalen Vertrag über den Waffenhandel verletzt?
  2. Wer finanziert das Kooperationsprojekt: Ist TKMS finanziell an dem Aufbau des Projekts beteiligt oder wird dieses als Ganzes von Elbit getragen?

Soweit zu den Fragen unserer Partnerorganisationen.

Keine Klimakriterien im Vergütungssystem

Bevor ich zum Abschluss komme möchte ich noch kurz auf das heute erstmals zur Abstimmung stehende Vergütungssystem des Vorstands zu sprechen kommen und einige allgemeine Fragen stellen.

Wir alle wissen, dass Rüstung ein energieintensives und emissionsreiches Geschäft ist, machen wir uns nichts vor. Auch andere deutsche Rüstungskonzerne wissen darum, und haben trotz der schmutzigen Natur ihrer Branche einen Anteil der Vorstandsvergütung mit der Reduktion von Emissionen verknüpft.

Das Vergütungssystem von TKMS enthält dagegen keine Umwelt- oder Klimakriterien und setzt in der ESG-Komponente allein auf den Arbeitsschutz. In der STI Komponente kommen ESG-Kriterien überhaupt nicht vor. Die turbulente geopolitische Lage und das dadurch erhöhte Interesse an TKMS, entbinden das Unternehmen nicht seiner Pflichten der Umwelt gegenüber. Hier sehen wir dringenden Nachbesserungsbedarf.

Folgende finale Fragen möchte ich Ihnen noch stellen:

  1. Wurde die Reduktion von Emissionen im Aufsichtsrat als ESG-Komponente diskutiert? Wenn ja, wieso wurde sich dagegen entschieden?
  2. Auch wenn die Klimakomponente in der Vergütung fehlt, ist der Arbeitsschutz sehr wichtig, so viel ist klar. Warum hat sich TKMS für dieses Kriterium entschieden? Sieht der Aufsichtsrat hier ein systemisches Problem? Ist die Unfallrate bei TKMS höher als bei vergleichbaren Unternehmen?
  3. Wie positioniert sich TKMS zur Debatte um eine mögliche Übergewinnsteuer für Rüstungsunternehmen? Würde eine solche Steuer die langfristige Investitionsfähigkeit in neue Technologien (z. B. Lithium-Ionen-Batterien für U-Boote) gefährden?
  4. Zuguterletzt: Die HV am 27. Februar 2026 findet als rein virtuelle Hauptversammlung statt. Viele Investoren fordern jedoch eine Rückkehr zum Präsenzformat für einen direkten Dialog. Warum hat sich TKMS gegen eine physische oder hybride Veranstaltung entschieden, und ist für die Zukunft eine Rückkehr zur Präsenz geplant?

Herr Dr. Burkhardt, erlauben Sie mir noch eine letzte Bemerkung.

Sie erwähnten eingangs das Leitmotiv von Thyssenkrupp Marine Systems für die nächsten Jahre: „Unleashing the Maritime Powerhouse“. Ich weiß, in dieser Branche wird sich gerne martialischer Sprache bedient, ich hoffe jedoch für uns alle, dass die Produkte von TKMS nie „entfesselt“ werden müssen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, die „Fragengeber“ und ich freuen uns auf die Beantwortung der Fragen.

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