Traton SE Hauptversammlung 2026

„Nutzen Sie die Vorwürfe rund um den Niobabbau in Brasilien, um die Wirksamkeit Ihrer Sorgfaltsprozesse kritisch zu überprüfen“: Rede von Matthias Bachmann

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat,

ich spreche heute für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Der folgende Redebeitrag wurde uns von Italo Kant von der brasilianischen, pastoralen Landkommission CPT von Minas Gerais (CPT-MG) übermittelt. Ich werde ihn stellvertretend vortragen.

„Die brasilianische pastorale Landkommission CPT von Minas Gerais (CPT-MG) und die Franziskanische Aktion für Ökologie und Solidarität (AFES) begleiten seit Jahren die Beschwerden der Bewohnerinnen und Bewohner der Region von Araxá. Unsere Organisationen haben Dokumentationsprozesse, öffentliche Lobbyarbeit und die Verteidigung der Rechte betroffener Gemeinschaften unterstützt und so dazu beigetragen, die nationale und internationale Aufmerksamkeit für die angeprangerten Verstöße zu erhöhen.

Die Partnerschaft zwischen der Traton-Tocher Volkswagen Truck & Bus und CBMM wird von beiden Seiten als Beispiel für Innovation im Rahmen der globalen Energiewende dargestellt. Die historischen Auswirkungen des Niob-Abbaus in Araxá, Minas Gerais in Brasilien, geben jedoch Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit dieser Geschäftsbeziehung mit den von Traton öffentlich bekräftigten Verpflichtungen in den Bereichen Umwelt, Klima und Menschenrechte.

Die unternehmensinterne Nachhaltigkeitserzählung, die mit der Verwendung von Niob einhergeht, steht im Gegensatz zu einer Geschichte von Beschwerden, Territorialkonflikten, Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen, die in der Gemeinde Araxá, wo sich der Betrieb von CBMM befindet, dokumentiert sind.

Seit den 1980er Jahren weisen CPT, AFES, die Bewohner:innen von Barreiro sowie Forscher:innen und Behörden auf hohe Bariumkonzentrationen im Grund- und Oberflächenwasser der Region hin. Technische Studien und öffentliche Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen der Kontamination und Leckagen an den Staudämmen der Bergbau-Abraumhalden aufgezeigt. Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen selbst Überwachungsprogramme und Umweltkontrollmaßnahmen eingeführt, was die Anerkennung der Existenz von Umweltschäden belegt, die weiterhin Gegenstand öffentlicher Besorgnis sind.

Die Ausweitung des Niob-Bergbaus in der Region Barreiro hat dazu geführt, dass Familien, die traditionell in der Region lebten, Fälle von Zwangsumsiedlung, den Verlust gemeinschaftlicher Bindungen und die Entfremdung eines Gebiets anprangern, das historisch mit mineralhaltigem Wasser verbunden ist. Die Ausbreitung des Bergbaus in der Region wird von Anwohner:innen und sozialen Organisationen als einer der Faktoren genannt, die für den Zerfall der lokalen Gemeinschaft verantwortlich sind.

Die Situation führte zu Kontrollen durch Umweltbehörden und die Staatsanwaltschaft sowie zu Untersuchungen durch Forschungseinrichtungen. Seit Jahrzehnten beklagen die Anwohner:innen Einschränkungen bei der Wassernutzung, Unsicherheit hinsichtlich der Gesundheitsrisiken und das Fehlen einer umfassenden Entschädigung für die erlittenen Schäden.

Im Jahr 2026 verstärkte ein neuer Vorfall die Bedenken hinsichtlich der Niob-Produktionskette. Eine Inspektion des Ministeriums für Arbeit und Beschäftigung deckte auf, dass Arbeiter:innen bei Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Transport von Niob durch Drittfirmen aus den Betrieben von CBMM in Araxá unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten mussten. Obwohl die Arbeiter:innen bei einem Subunternehmen angestellt waren, deckt der Fall Schwachstellen in der Steuerung der Lieferkette auf.

Diese Tatsachen gewinnen angesichts der Verpflichtungen, die Volkswagen Truck & Bus gegenüber Investor:innen und internationalen Organisationen eingegangen ist, noch größere Bedeutung.

Der Konzern Volkswagen inklusive aller Tochterunternehmen erklärt in seinen Nachhaltigkeitsberichten und Unternehmensrichtlinien, dass er die Leitprinzipien der Vereinten Nationen zu Wirtschaft und Menschenrechten, die Leitsätze der OECD für multinationale Unternehmen sowie die Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen (UN) einhält. Das Unternehmen bekräftigt zudem, dass es Sorgfaltspflichten anwendet, um soziale und ökologische Risiken in seinen globalen Lieferketten zu erkennen und zu mindern.

Darüber hinaus unterliegt der Volkswagen-Konzern inklusive aller Tochterunternehmen den Anforderungen der deutschen Gesetzgebung zur Sorgfaltspflicht in Lieferketten und den Anforderungen der europäischen Richtlinie zur Sorgfaltspflicht im Bereich der Unternehmensnachhaltigkeit.

Vor diesem Hintergrund werfen die in Araxá festgestellten Sachverhalte Fragen auf, die die Aufmerksamkeit der Aktionäre verdienen. Wir stellen folgenden Fragen:

  1. Welche Informationen hat CBMM Volkswagen Truck & Bus über die mutmaßliche Bariumverseuchung in der Region Barreiro zur Verfügung gestellt?
  2. Hat Volkswagen Truck & Bus Umweltstudien, technische Gutachten, Überwachungsberichte, Stellungnahmen von Behörden oder Dokumente zu den Umweltschäden erhalten, die durch den Niob-Abbau in Araxá entstanden sind?
  3. Hat VWTB eine Bewertung der historischen sozioökologischen Auswirkungen des Niob-Bergbaus von CBMM vorgenommen?
  4. Wurden die Umweltschäden im Zusammenhang mit der Bariumverseuchung in der Region Barreiro im Rahmen der Sorgfaltsprüfungsprozesse des Unternehmens berücksichtigt?
  5. Wurden die territorialen Konflikte und die Beschwerden im Zusammenhang mit der Zwangsumsiedlung von Anwohner:innen von Volkswagen Truck & Bus als potenzielle Menschenrechtsrisiken bewertet?
  6. Welche Dokumente, internen Untersuchungsberichte oder Korrekturmaßnahmen wurden vorgelegt, nachdem bekannt wurde, dass Arbeiter:innen in der Logistikkette des von CBMM produzierten Niobs unter laut brasilianischer Gesetzgebung als sklavenarbeitsähnlichen Bedingungen beschäftigt waren?
  7. Hat Volkswagen Truck & Bus eine Prüfung durchgeführt, um die von CBMM erhaltenen Informationen über mutmaßliche Umweltverschmutzung, Territorialkonflikte und Verstöße gegen Arbeitsrechte zu überprüfen?
  8. Wurden die bei VWTB eingegangenen Unterlagen einer Prüfung durch unabhängige Expert:innen oder durch externe Überprüfungsmechanismen unterzogen, wie sie in den Due-Diligence-Richtlinien des Unternehmens vorgesehen sind?
  9. Welche konkreten Maßnahmen wurden ergriffen, um sicherzustellen, dass die von VWTB genutzte Niob-Lieferkette den gegenüber den Investoren offengelegten ESG-Verpflichtungen entspricht?
  10. Ist VWTB bereit, den Aktionär:innen und der Öffentlichkeit die Dokumente, Risikobewertungen und Due-Diligence-Berichte im Zusammenhang mit der Lieferkette für Niob aus Araxá offenzulegen?“

Soweit der uns übermittelte Redebeitrag.

Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass es hier nicht nur um die konkrete Entwicklungskooperation von Volkswagen Truck & Bus mit CBMM geht. Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung von CBMM beim Niobabbau stellt sich die Frage, ob Niob aus Araxá möglicherweise auch über weitere direkte oder indirekte Lieferbeziehungen innerhalb des TRATON-Konzerns und seiner Marken verwendet wird.

Zugleich sehen wir angesichts der seit Jahren dokumentierten Umweltvorwürfe und der jüngst bekannt gewordenen sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in der Logistikkette von CBMM Anhaltspunkte für eine sogenannte substantiierte Kenntnis möglicher menschenrechtlicher und umweltbezogener Risiken in der Lieferkette.

Dazu habe ich abschließend sieben weitere Fragen:

  1. Welche konkrete Geschäftsbeziehung besteht derzeit zwischen TRATON beziehungsweise seinen Marken und CBMM? Bitte erläutern Sie sowohl direkte als auch indirekte Liefer- oder Geschäftsbeziehungen, bestehende Lieferverträge, Entwicklungskooperationen, Memoranda of Understanding/Absichtserklärungen oder sonstige Vereinbarungen sowie die Mengen von Niob oder niobhaltigen Produkten, die aktuell oder perspektivisch aus Lieferketten mit Bezug zu CBMM bezogen werden.
  2. Zu welchen Ergebnissen haben die bisherigen Tests geführt? Ist eine Serienproduktion der Niob-Batterien geplant? Falls ja: Ab wann könnte diese beginnen und welche Märkte wären aus Ihrer Sicht besonders interessant?
  3. Halten Sie es für denkbar, dass die auf Niob basierende Batterietechnologie künftig auch in anderen Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns außerhalb Brasiliens zum Einsatz kommt?
  4. Vor dem Hintergrund des rückläufigen Ergebnisses im Geschäftsjahr 2025: Welchen strategischen Stellenwert misst TRATON Technologien wie der gemeinsam mit CBMM erprobten Niob-Batterie für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum des Konzerns bei?
  5. TRATON und der Volkswagen-Konzern verweisen auf Instrumente wie S-Rating, Risikoanalysen und Beschwerdemechanismen zur Erkennung menschenrechtlicher und umweltbezogener Risiken in globalen Lieferketten. Vor dem Hintergrund der Vorwürfe in Araxá und der jüngst bekannt gewordenen sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in der Logistikkette von CBMM: Welche Schlussfolgerungen zieht TRATON für die Wirksamkeit seiner Risikoanalyse- und Kontrollsysteme – auch mit Blick auf andere Rohstoffe, Lieferketten und Hochrisikoregionen weltweit?
  6. Welche konkreten Beispiele kann der Vorstand nennen, bei denen aufgrund solcher Prozesse Geschäftsbeziehungen verändert, ausgesetzt oder beendet wurden? Nennen Sie wenigstens Anzahl und Grund.
  7. Wird TRATON die heute vorgetragenen Hinweise zum Anlass nehmen, eine erneute bzw. vertiefte Risikoanalyse und Überprüfung der Geschäfts- und Lieferbeziehungen zu CBMM durchzuführen? Falls nein, warum nicht?

Ich freue mich auf eine ausführliche Beantwortung der Fragen. Vielen Dank!

Antworten zu Fragen von Italo Kant:

Sie fragen, ob Volkswagen Truck und Bus konkrete Unterlagen zu Umweltschäden durch den Niob-Abbau erhalten hat.

Volkswagen Truck und Bus liegen keine spezifischen Umweltstudien, technische Gutachten, Überwachungsberichte oder behördliche Stellungnahmen zu Umweltschäden in Araxa vor. Das Unternehmen stützt seine Bewertung vielmehr auf öffentlich verfügbare Informationen und Behördenbeobachtung. CBMM hat uns jedoch in Gesprächen bestätigt, dass sie über ein robustes Governance System verfügen und ihre Verpflichtung zum Umgang mit Umweltthemen bestärken. Zudem orientieren sie sich an Best Practices in enger Kooperation und Überwachung durch die zuständigen Behörden.

Sie fragen nach der Berücksichtigung von Umweltschäden im Zusammenhang mit einer möglichen Bariumverseuchung in der Region Barrero im Rahmen der Sorgfaltsprüfungsprozesse.

Die Information zu einer möglichen Bariumkontamination in Barreiro berücksichtigt Volkswagen Truck und Bus fortlaufend in seinen Integritäts- und Compliance Prozessen. Auch hat das Unternehmen aufgrund dieser Information in Bezug auf die relevanten Geschäftspartner verstärkte Prüfmaßnahmen umgesetzt.

Sie fragen nach Informationen von Volkswagen Truck und Bus über eine mutmaßliche Bariumverseuchung in der Region Barreiro.

Volkswagen Truck and Bus stützt sich hierbei auf öffentlich verfügbare Informationen und die Überwachung durch die zuständigen Behörden. So wurde in 2023 eine Verpflichtungsvereinbarung zwischen der brasilianischen Regierung, vertreten durch den Bundesstaat Minas Gerais und der Entwicklungsgesellschaft Codemig und CBMM abgeschlossen. Diese Vereinbarung beinhaltet neben wirtschaftlicher Verantwortung auch Nachhaltigkeitsziele und soziale Verantwortung sowie die Einrichtung eines Compliance Commitees. Im Gespräch zwischen Volkswagen Truck und Bus und CBMM hat die CBMM sein Engagement diesbezüglich bestätigt. Im Rahmen der Integritäts- und Compliance Prozesse bewertet Volkswagen Truck und Bus fortlaufend Informationen aus offizieller Quelle.

Sie fragen nach einer Bewertung der historisch sozioökologischen Auswirkungen des Niob-Bergbaus von CBMM durch Volkswagen Truck and Bus.

Das Unternehmen hat auf Grundlage seiner Prozesse und im Einklang mit seinen internen Standards eine interne Risikobewertung in Bezug auf die technische Kooperation mit CBMM durchgeführt. Weiterhin bewertet Volkswagen Truck and Bus fortlaufend Informationen aus offiziellen Quellen.

Sie fragen, ob territoriale Konflikte und Beschwerden zu Zwangsumsiedlungen als Menschenrechtsrisiken bewertet wurden.

In den uns vorliegenden Unterlagen finden sich keine Dokumentationen dieser beiden spezifischen Sachverhalte. Gleichwohl führt Volkswagen Truck and Bus kontinuierlich risikobasierte Analysen durch. In diesem Rahmen werden stets auch Hinweise auf mögliche Menschenrechtsverletzungen geprüft und bewertet. Die Ergebnisse finden sodann Berücksichtigung in den Integritäts- und Compliance Prozessen von Volkswagen Truck and Bus.

Sie fragen, welche Informationen nach Bekanntwerden der Vorwürfe zu sklavenarbeitsähnlichen Bedingungen vorgelegt wurden.

Nachdem Volkswagen Truck und Bus von den Vorwürfen erfahren hatte, bat das Unternehmen CBMM unverzüglich um Aufklärung. CBMM teilte mit, dass bereits Maßnahmen ergriffen worden seien. Dazu gehören insbesondere die sofortige Beendigung des Vertrags mit dem betroffenen Drittunternehmen, die Prüfung des Sachverhalts und die Umsetzung eines Maßnahmenplans mit Unterstützung spezialisierter internationaler Beratungsfirmen. Volkswagen Truck Bus nimmt sämtliche Vorwürfe mit Bezug auf Menschenrechte sehr ernst und verfolgt die weitere Entwicklung aufmerksam.

Sie fragen, ob Volkswagen Truck und Bus die von CBMM erhaltenen Informationen eigenständig überprüft hat.

Volkswagen Truck und Bus hat im Rahmen seiner Integritäts- und Compliance Prozesse interne Risikoanalysen durchgeführt. Diese sind konkret darauf ausgerichtet, bei Vorliegen relevanter Hinweise weitergehende Aufklärung zu betreiben und insbesondere von CPMM vertiefende Informationen einzuholen. Die erlangten Erkenntnisse fließen unmittelbar in die laufende Risikobewertung ein, auch im Hinblick auf eine mögliche künftige Entwicklung der Geschäftsbeziehung.

Sie fragen, ob eingegangene Unterlagen durch unabhängige Expert*innen oder externe Prüfmechanismen überprüft werden.

Volkswagen Truck and Bus bewertet alle relevanten Informationen im Rahmen seiner bestehenden Integritäts- und Compliance Prozesse. Diese Bewertung erfolgt zunächst durch interne Experten, etwa Spezialisten auf den Gebieten der Nachhaltigkeit, Compliance, Recht, Menschenrechte und Umweltschutz. Bei Bedarf werden auch externe Experten oder Prüfer hinzugezogen.

Sie fragen nach konkreten Maßnahmen zur Sicherstellung der Einhaltung der ESG-Verpflichtungen in der Niob-Lieferkette.

Die Traton Group mit seiner Marke Volkswagen Truck and Bus verfolgt hierzu einen strukturierten Ansatz. Die Grundlage bilden risikobasierte Compliance Prozesse zur laufenden Bewertung und Überwachung der Lieferkette auf Basis umfassender interner sowie externer Information. Bei konkreten Hinweisen erfolgen vertiefte Prüfungen und Einzelfallanalysen in enger Abstimmung mit den betroffenen Geschäftspartnern. Zugleich gelten verbindliche Vorgaben für Lieferanten, die sich aus internationalen Standards, Gesetzen und auch dem Traton Code of Conduct für Lieferanten und Businesspartner ergeben. Zur operativen Umsetzung nutzt die Traton Group Instrumente zur Nachhaltigkeitsbewertung, etwa das Sustainability Rating, bei Bedarf vor Ort Audits oder Beschwerdemechanismen zur frühzeitigen Risikoerkennung. Bei festgestellten Verstößen greifen klar definierte Abhilfe- und Eskalationsprozesse, die Maßnahmenpläne mit Lieferanten, deren Wirksamkeitskontrolle sowie als letzte Konsequenz die Beendigung von Geschäftsbeziehungen umfassen.

Sie fragen, ob Volkswagen Truck und Bus bereit ist, Dokumente und Due Diligence Berichte zur Niob-Lieferkette offenzulegen.

Volkswagen, Truck und Bus und die Traton Group legen großen Wert auf Transparenz im Umgang mit seinen menschenrechtlichen und umweltbezogenen Pflichten und berichten hierzu im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen. Grundlage hierfür sind umfassende interne Risikoanalysen und Compliance Prozesse entlang der Lieferkette zur systematischen Erhebung, Bewertung und Dokumentation relevanter Informationen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass es sich bei der zugrunde liegenden Dokumentation um interne Arbeitsunterlagen handelt, die vertrauliche, dem Datenschutz unterliegende und sensible Informationen enthalten können. Eine weitergehende Veröffentlichung im Detail ist daher aktuell nicht vorgesehen.

Antworten zu den weiteren Fragen:

Sie fragen nach den konkreten Geschäftsbeziehungen zwischen Traton, seinen Marken und CBMM.

Die Marke Volkswagen Truck and Bus arbeitet in einer technischen Kooperation mit CBMM zusammen. Gegenstand der Zusammenarbeit sind aktuell nur Tests von Batterien mit Niob-Titan-oxid-Schnellladetechnologie in einem Prototyp eines Elektrobusses. Niob ist zudem ein Legierungszusatz in Stahlprodukten. Die Strategie der Traton Group beruht auf einer Diversifizierung der Lieferanten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sowie auf der parallelen Entwicklung mehrerer Batteriechemien. Global setzen wir in den nächsten Jahren vor allem auf NMC- und LFP- Zellchemien, welche frei von Niob sind. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir unsere vertraglichen Vereinbarungen nicht offenlegen können.

Sie fragen nach dem strategischen Beitrag der mit CBMM erprobten NIOB Batterie für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns.

Die Strategie der Traden Group beruht auf einer Diversifizierung der Lieferanten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg sowie auf der parallelen Entwicklung mehrerer Batteriechemien. Global setzen wir in den nächsten Jahren vor allem auf NMC- und LFP Zellchemien, welche frei von Niob sind. Volkswagen, Truck und Bus und die Traton Group verlassen sich nicht auf eine einzige Technologie oder einen einzigen Lieferanten, die Elektrifizierung zu ermöglichen.

Sie fragen, ob die auf Niob basierende Batterietechnologie künftig auch in anderen Fahrzeugen außerhalb Brasiliens zum Einsatz kommt.

Bitte beachten Sie, dass wir nur Auskünfte zur Traden Group erteilen können.

In unserem aktuellen Produkt Roadmaps sind nur Batterien auf Basis von NMC- und LFP-Zellchemien vorgesehen. Diese sind frei von Niob. Volkswagen Truck und Bus führt derzeit Tests von Batterien mit Niob-Titanoxid-Schnellladetechnologie in einem Prototyp eines Elektrobusses primär für den potenziellen Einsatz in Brasilien durch.

Sie fragen zu welchen Ergebnissen die Tests führten, ob eine Serienproduktion geplant ist sowie wann und welche Märkte hierfür interessant wären.

Bisher befinden sich die Tests noch in einem frühen Stadium und zeigen vielversprechende Ergebnisse für Anwendungsfälle hinsichtlich kurzer Ladezeiten, aber es sind noch weitere Studien und Tests nötig. Die technische Zusammenarbeit der Volkswagen Truck and Bus mit CBMM bezieht sich ausschließlich auf Fahrzeugtests. Jedes produktionsbezogene Thema wird zwischen CBMM und seinen Batteriepartnern erarbeitet. Abschließende Ergebnisse oder eine finale Bewertung zu einer potenziellen Serienproduktion liegen aktuell nicht vor. Entsprechend bewegt sich die Zusammenarbeit weiterhin im Rahmen von Testphasen.

Sie fragen, welche Rückschlüsse Traton für die Wirksamkeit seiner Risikoanalysen und Kontrollsysteme mit Blick auf Rohstoffe, Lieferketten und Hochrisikoregionen vor dem Hintergrund der Vorwürfe in Araxa zieht.

Wir messen die Wirksamkeit unserer menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten anhand konkreter Ergebnisse, die wir im Rahmen unseres menschenrechtlichen Risikomanagements systematisch erfassen und auswerten.

Zentral hierfür ist unsere Risikoanalyse im eigenen Geschäftsbereich und entlang unserer Lieferkette, die wir regelmäßig sowie anlassbezogen durchführen. Dabei identifizieren und priorisieren wir menschenrechtliche Risiken auf Basis externer Datenquellen, interner Informationen sowie vertiefender Analysen einschließlich Workshops und Interviews mit relevanten Stakeholdern. Die Ergebnisse dieser Analysen werden mit unseren bestehenden Präventions- und Abhilfemaßnahmen abgeglichen. So können wir erkennen, ob Maßnahmen wirksam greifen oder ob weiterer Handlungsbedarf besteht. Die Beurteilung erfolgt durch Einbezug von Fachexperten.

Ein weiterer wichtiger Baustein ist unser Beschwerdemechanismus. Hinweise von internen und externen Stakeholdern werden strukturiert aufgenommen, untersucht und ausgewertet. Diese Erkenntnisse liefern uns direkte Hinweise auf tatsächliche Auswirkungen in der Praxis und fließen in die Weiterentwicklung unserer Maßnahmen ein. Zur Steuerung menschenrechtlicher und umweltbezogener Risiken in Hochrisikorohstoffketten gibt es bei Traden zudem das sogenannte Raw Materials Due Diligence Management System, welches derzeit 18 priorisierte Rohstoffe, unter anderem Stahl, umfasst. Ziel ist es, Risiken insbesondere bei indirekten Lieferanten zu identifizieren, zu bewerten und durch geeignete Maßnahmen zu vermeiden oder zu mindern.

Vor dem Hintergrund der Vorwürfe werden wir Anpassungen und weitergehende Prüfungen in Bezug auf Niob prüfen.

Sie fragen nach Beispielen, bei denen aufgrund unserer Prüfprozesse Geschäftsbeziehungen verändert, ausgesetzt oder beendet wurden.

In einem ersten Schritt versuchen wir stets gemeinsam mit unserem Geschäftspartner Maßnahmen zu definieren und zu implementieren, die eine mögliche Verletzung verhindern, stoppen und sofern erforderlich Abhilfe herbeiführen. Unser Ziel ist es, die Situation in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz gemeinsam zu verbessern. Die Beendigung einer Geschäftsbeziehung sehen wir entsprechend als letzte Konsequenz an und nur dann, wenn Maßnahmen durch Dritte nicht ergriffen werden oder nicht zu unserer Zufriedenheit durchgeführt werden. In der Vergangenheit war dies vereinzelt der Fall. In der Regel konnten wir der jedoch gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern einen wirksamen Maßnahmenplan vereinbaren und dessen Umsetzung nachverfolgen. Im Geschäftsjahr 2025 wurden insgesamt 35 Hinweise mit potenziellem Lieferkettenbezug registriert. In Bezug auf Lieferanten wurde im Berichtszeitraum ein Verstoß hinsichtlich des Verbots der Missachtung des Arbeitsschutzes im Sinne des Lieferkettengesetzes identifiziert. Bei einem Zulieferer kam es zu Vorfällen aufgrund unzureichender Arbeitsschutzmaßnahmen auf dem Werksgelände.

Die Vorfälle wurden umfassend untersucht und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen wurden beim Zulieferer etabliert, vergleichbare Ereignisse zukünftig zu verhindern. Nach Umsetzung und Bewertung der Maßnahmen wurde der Fall entsprechend abgeschlossen.

Sie fragen, ob Traton die heute vorgetragenen Hinweise zum Anlass nehmen wird, eine erneute vertiefte Risikoanalyse und Überprüfung der Geschäftsbeziehungen mit CBMM durchzuführen. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit CBMM führen wir bei relevanten Hinweisen vertiefte Prüfungen durch und holen technische Klarstellung von den beteiligten Partnern ein. Dies dient unserer aktuellen Risikobewertung und der Prüfung möglicher künftiger Geschäftsbeziehungen.

In Bezug auf die technische Kooperation zum Test von Batterien mit Niob-Titan-Oxid-Schnellladetechnologie haben wir in Bezug auf die relevanten Geschäftspartner unter der Berücksichtigung der Umstände verstärkte Prüfmaßnahmen umgesetzt. Damit unterstützen wir unsere Risikobewertung, insbesondere falls sich die Zusammenarbeit weiterentwickeln sollte. Wir beobachten hierbei aktuelle und künftige Entwicklungen genau.

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