Sehr geehrte Damen und Herren,
ich heiße Moritz Leiner, ich arbeite bei der gemeinnützigen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und vertrete hier heute den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
Ich schließe mich mal meinem Vorredner Mattias Bachmann an und möchte bezüglich Ihrer fossilen Geschäfte dabei noch auf einige weitere Aspekte eingehen:
Unipers strategische Priorität ist laut eigener Aussage an erster Stelle die Dekarbonisierung der Geschäftsaktivitäten… und dann erst: bei gleichzeitiger Gewährleistung einer zuverlässigen Energieversorgung. Doch anstatt einen klaren Ausstiegsplan für fossiles Gas innerhalb des eigenen Portfolios zu entwickeln, richtet Uniper seinen strategischen Fokus zunehmend auf den Ausbau des fossilen Gasgeschäfts. Das haben Sie heute ja auch kräftig betont.
Schauen wir einmal auf die Zahlen: Die Verbrennung und der Verkauf fossiler Energieträger macht laut einer Analyse auf Basis der Global Coal Exit List (GCEL) und der Global Oil and Gas Exit List (GOGEL) noch immer rund 78% des Jahresumsatzes von Uniper aus. Zudem hat Uniper seine Investitionsausgaben in den Bereich Gas von ca. 149 Mio. Euro in 2024 auf ca. 190 Mio. Euro in 2025 massiv erhöht. Die Investitionsausgaben in Kohle und Öl wurden zugleich nur leicht gesenkt, so dass die Investitionsausgaben für fossile Energien von 226,5 Mio. Euro in 2024 auf 247,8 Mio. Euro in 2025 deutlich anstiegen. Damit machen Investitionen in fossile Projekte mit Abstand den Hauptteil der Investitionsausgaben bei Uniper aus, Investitionen in Wind und Solar kommen dagegen auf magere 3,3% vom CapEx in 2025.
Dieses fossile Weiter-So steht eindeutig im Widerspruch zu Unipers eigenen langfristigen Transformationszielen der Klimaneutralität bis 2040 sowie zu Anforderungen an eine erhöhte geopolitische Resilienz.
Meine Fragen hierzu:
- Herr Lewis, Sie sagten in Ihrer Rede: „Der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2029 ist der größte Hebel.“ Zur Dekarbonisierung. Wie meine Vorredner bin ich daran interessiert zu erfahren: Wie sieht Ihr konkreter Kohleausstiegsplan aus, in Deutschland und in den Niederlanden? Konkret möchte ich noch wissen: Welchen Anteil von Kohle an Ihrer Stromerzeugung planen Sie für das Jahr 2026 und 2027? Welche Kosten erwarten Sie durch Stilllegung und Rückbau Ihrer Kohleinfrastruktur?
- In Ihrer Rede, Herr Lewis, sagten Sie auch: „Wir haben das Risikoprofil unseres Gasgeschäfts weiter deutlich reduziert.“ Wie genau habe sie das Risikoprofil reduziert? Welchen Risiken wurden konkret reduziert? Inwiefern reduziert sich Ihr Risikoprofil bei steigenden Investitionen in Gas und Gas als teure Form der Stromerzeugung?
- Wie viel CapEx planen Sie bis 2030 und 2035 in Erneuerbare zu investieren im Vergleich zu Fossilen?
Meine Damen und Herren,
Mein Kollege Diego Pedraza-Lahoz von der DUH wird gleich noch auf Ihre Verantwortungslosigkeit mit Blick auf die LNG-Importstrategie eingehen. Darum spare ich mir das hier und möchte mit Ihnen über Ihre Gaskraftwerkspläne reden. In Medienberichten konnten wir gestern ein Zitat von Holger Kreetz lesen: „Die Anlagen (als Gaskraftwerke), die in Deutschland zur Stromproduktion zur Verfügung stehen, reichen nicht aus.“ Auch Sie, Herr Krebber, wurden in Ihrer Rede ja nicht müde zu betonen die „dringend benötigten Gaskraftwerke.“
Aktuell plant Uniper bereits den Bau von fossilen Gaskraftwerken mit einer kombinierten Leistung von mindestens 3,6 Gigawatt an zwei deutschen Standorten (Scholven 2 Gaskraftwerk und Staudinger Gaskraftwerk, mit denen sie sich an den Ausschreibungen der Bundesregierung beteiligen möchten, sowie zwei weiteren Kraftwerken im Vereinigten Königreich (Connah’s Quay Low Carbon Power und Killingholme Low Carbon Power project).
Der Konzern plant laut Geschäftsbericht fossile Gaskraftwerke, um seine Scope-3-Emissionen zu reduzieren – diesen seien „wasserstofffähig“ oder „vorbereitet […] zur CO2-Abscheidung und -Speicherung“.
Sie erklären: „Erzeugung, Netze, Speicher, Flexibilität und gesicherte Leistung. Alle fünf Elemente müssen gleichzeitig funktionieren. Fehlt eines davon, gerät das gesamte System unter Druck.“
Schauen wir hier nochmal auf die Zahlen, wie hoch ist der Druck? Deutschlands Gasbedarf 2025 lag fast 13,5 % unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021. Das lässt interessierte Beobachter zusammen mit dem Ausbau der Erneuerbaren darauf schließen, dass der deutsche Gasbedarf auch in den kommenden Jahren deutlich sinken wird.
Und: Teil der Wahrheit ist auch, dass sie schon heute genau absehen können, dass ihre Dekarbonisierungsversprechungen über Wasserstoff- und CCS-Infrastruktur noch sehr lange nicht verfügbar und schon gar nicht kosteneffizient sein werden. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass der Betrieb von Gaskraftwerken mit Wasserstoff oder die Ausstattung mit CCS ineffektiv und extrem teuer ist. Laut einer neuen Analyse des Think Tanks IEEFA dürften die langfristigen negativen Auswirkungen der unsicheren Dekarbonisierung auf den Cashflow für Uniper erheblich sein. Erneuerbare Alternativen wie Batteriespeicher werden mittelfristig einfach viel kosteneffizienter sein und auch Dunkelflauten abdecken können.
Unter dem Strich bindet sich Uniper mit Gaskraftwerken unverantwortlich auch gegenüber Investor*innen an geopolitisch unberechenbare fossile Brennstoffe. Herr Lewis, Sie sagten, eines sei ganz wichtig: „Preiseffekte wirken über den globalen Markt.“ Das sehen wir am Beispiel der fossilen Energiekrise im Kontext des Irankriegs. Damit implizieren Sie ja, Sie sind eigentlich nicht gewappnet vor fossilen Preissprüngen im Falle wahrscheinlicher zukünftiger geopolitischen Auseinandersetzungen und deren Auswirkungen auf fossile Infrastruktur und das Gasangebot.
Das heißt, sie präsentieren auf die Herausforderung der Klimatransformation und der geopolitischen Verwerfungen immer noch eine konventionelle fossile Lösung, von der davon auszugehen ist, dass sie zukünftig noch deutlich mehr Kostendruck und Emissionen versuchen werden, als konsequente Effizienz- und Einsparmaßnahmen im Verbund mit einem priorisierten Ausbau von Erneuerbaren, Netzen und Speichern es heute tun.
Angesichts des schleppenden Wasserstoffhochlaufs und der Kostenineffizienz von CCS-Infrastruktur bergen diese geplanten Investitionen zur vermeintlichen Emissionsreduktion ein absehbar großes Risiko, hohe CO2-Emissionen auch mittel- bis langfristig festzuschreiben. Darum sollte Uniper die Verantwortung zur Umsetzung seiner Dekarbonisierungs-Maßnahmen nicht auf seine Kunden und die Schaffung entsprechender regulatorischer Rahmenbedingungen abschieben, sondern selbst handeln und konsequent in erneuerbare Energiesysteme investieren.
Meine Fragen hierzu lauten:
- Sie, Herr lewis, sagten vorhin:“Bis 2030 soll der Anteil CO2-armer und dekarbonisierbarer Erzeugungskapazität mindestens 50 Prozent betragen.“ – Was bedeutet dekarbonisierbare Erzeugungskapazität? Konkret: Kann das ein Gaskraftwerke sein mit ein bisschen Freifläche daneben, wo eventuell irgendwann eine CO2-Abscheidungsanlage gebaut werden könnte? Falls nein, was sind die Kriterien? Und: Wie hoch schätzen Sie die CO2-Emissionen dieses Anteils CO2-armer und dekarbonisierbarer Erzeugungskapazität?
- Wie hoch schätzen Sie die zusätzlich nötigen Investitionskosten zur Umstellung von Ihren Gaskraftwerken auf H2-Capability oder CCS aktuell ein?
- Planen Sie aktuell bereits Rücklagen zur vollständigen Umstellung ein? Falls ja, wie hoch schätzen Sie diese insgesamt bis 2030, 2035 und 2040?
- Sollen durch geplante Gaskraftwerken auch Rechenzentren mit Strom versorgt werden? Falls ja, welche Projekte?
- Bis wann plant Uniper aus fossilem Gas auszusteigen?
- Plant Uniper überhaupt aus fossilem Gas auszusteigen?
Meine Damen und Herren,
In Zeiten, in denen die geopolitischen Spannungen zunehmen und durch die Entwicklungen in den USA weitere Unsicherheitsherde hinzukommen, ist es fahrlässig, die Privatisierung kritischer Infrastruktur zu verfolgen. Systemkritische Infrastruktur gehört in öffentliche Hand und die sozial-ökologische Transformation dieser Infrastruktur im Sinne des Gemeinwohls. Gestern konnten wir in Medienartikeln lesen, dass der Bund den Wiederverkauf von Uniper eingeleitet hat und einen strategischen Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie an Uniper halten will. Der Börsenwert von Uniper liege demnach derzeit bei rund 18 Milliarden Euro. Laut der Süddeutschen Zeitung ist dieser jedoch „mit Vorsicht zu genießen“. So könnte der Aktienkurs in dem Moment, da der Bund größere Mengen zum Verkauf anbietet, deutlich sinken – weshalb ein außerbörslicher Verkauf favorisiert werden könnte.
Fragen hierzu:
- Wie beurteilen Sie vom Management den Plan der Bundesregierung, einen strategischen Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie an Uniper zu halten?
- Auch wenn Sie, Herr Lewis, bereits gesagt haben, „Über Form und Zeitplan der Reprivatisierung entscheidet der Bund“, was wäre Ihre präferierte Option?
- Gibt es Klimaauflagen im Rahmen des Verkaufs seitens des Bundes, die Uniper auch danach umsetzen muss?
Sehr geehrte Damen und Herren,
zum Schluss möchte ich Ihnen hier einmal mitgeben: Die Energiewende ist auch eine Frage strategischer Entscheidungen. Uniper sollte sich endlich von der fossilen Strategie lösen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.







