Uniper SE Hauptversammlung 2026

Noch mehr teures, unsicheres, fossiles Gas: Unsere Gegenanträge

Zu Tagesordnungspunkt 2: Beschlussfassung über die Verwendung des Bilanzgewinns

Gegenantrag:

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, die von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagene Verwendung des Bilanzgewinns abzulehnen.

Begründung:

Die vorgeschlagene Ausschüttung einer Dividende in Höhe von rund 300 Mio. € steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zur wirtschaftlichen Lage sowie zu den strategischen Herausforderungen des Unternehmens. Im Geschäftsjahr 2025 weist Uniper einen negativen operativen Cashflow in Höhe von –814 Mio. € aus. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Investitionsbedarf für die Transformation des Geschäftsmodells.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht sachgerecht, finanzielle Mittel in erheblichem Umfang an Aktionäre auszuschütten, anstatt sie für die Stabilisierung und Transformation des Unternehmens einzusetzen.

Absenkung der Klimaziele

Besonders angesichts der Absenkung der eigenen Ambitionen: Medienberichte, unter anderem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (2025), weisen darauf hin, dass Uniper den angestrebten Anteil klimafreundlicher Stromerzeugung bis 2030 von ursprünglich 80 % auf nur noch „mindestens 50 %“ reduziert hat.

Widersprüchliche Unternehmensstrategie

Die Unternehmensstrategie ist in zentralen Punkten widersprüchlich. Während Uniper offiziell eine Dekarbonisierung anstrebt, wird gleichzeitig der Ausbau fossiler Geschäftsmodelle weiter vorangetrieben. Dies zeigt sich insbesondere im zunehmenden Fokus auf das Gasgeschäft, steigenden Investitionen in fossile Energien sowie im geplanten Bau neuer Gaskraftwerke. Die Berufung auf Technologien wie CCS/CCU und Wasserstofffähigkeit kann die Widersprüchlichkeit nicht auflösen, da deren Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit weiterhin ungewiss sind.

Die Ausweitung der LNG-Importe erzeugt neue Abhängigkeiten und bringt erhebliche geopolitische, ökologische und soziale Risiken mit sich. Die Suche nach neuen Lieferländern ändert nichts an den strukturellen Problemen dieses Geschäftsmodells.

Problematische Biomasse-Pläne

Zudem möchte Uniper zwar aus der Kohleverstromung aussteigen, es werden jedoch fragwürdige Pläne verfolgt. Dies zeigt die geplante Umrüstung des Kohlekraftwerks in Rotterdam auf Holzpellets um das Kraftwerk auch über das Jahr 2030 hinaus betreiben zu können. Ein solcher Umstieg ist ökologisch problematisch und keine nachhaltige Alternative. Der Betrieb mit Holzpellets erhöht den Druck auf Wälder, fördert Monokulturen, gefährdet Biodiversität und setzt kurzfristig große Mengen CO₂ frei, während eine Wiederbindung erst über Jahrzehnte erfolgt. Gleichzeitig kann der Ausbau tatsächlich klimafreundlicher Energien wie Wind- und Solarenergie dadurch beeinträchtigt werden. Großtechnische Holzverbrennung ist daher weder klimafreundlich noch nachhaltig und sollte nicht weiterverfolgt werden.

Angesichts der erheblichen finanziellen Anforderungen der Transformation ist die vorgeschlagene Gewinnverwendung somit nicht angemessen.

Zu Tagesordnungspunkt 3: Beschlussfassung über die Entlastung der Mitglieder des Vorstands

Gegenantrag:

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Vorstands der Uniper SE die Entlastung zu verweigern

Begründung:

Die Geschäftspolitik des Vorstands im Geschäftsjahr 2025 gibt in wesentlichen Punkten Anlass zur Kritik.

Unipers Klimastrategie: Noch mehr teures, unsicheres, fossiles Gas

Unipers strategische Priorität ist laut eigener Aussage die Dekarbonisierung der Geschäftsaktivitäten bei gleichzeitiger Gewährleistung einer zuverlässigen Energieversorgung. Doch anstatt einen klaren Ausstiegsplan für fossiles Gas innerhalb des eigenen Portfolios zu entwickeln, richtet Uniper seinen strategischen Fokus zunehmend auf den Ausbau des Gasgeschäfts. Diese Strategie steht im Widerspruch zu den eigenen langfristigen Transformationszielen sowie zu Anforderungen an eine erhöhte geopolitische Resilienz.

Massiver Anstieg der Gasinvestitionen in 2025

Der Verkauf und die Verbrennung fossiler Energieträger macht laut einer Analyse auf Basis der Global Coal Exit List (GCEL) und der Global Oil and Gas Exit List (GOGEL) noch immer rund 78% des Jahresumsatzes von Uniper aus. Zudem hat Uniper seine Investitionsausgaben in den Bereich Gas von ca. 149 Mio. Euro in 2024 auf ca. 190 Mio. Euro in 2025 massiv erhöht.1 Die Investitionsausgaben in Kohle und Öl wurden zugleich nur leicht gesenkt, so dass die Investitionsausgaben für fossile Energien von 226,5 Mio. Euro in 2024 auf 247,8 Mio. Euro in 2025 deutlich anstiegen.

Klimaschädlicher Zubau von Gaskraftwerken ohne klare Aussicht auf Dekarbonisierung

Aktuell plant Uniper den Bau von fossilen Gaskraftwerken mit einer kombinierten Leistung von mindestens 3,6 Gigawatt an zwei deutschen Standorten (Scholven 2 und Staudinger) sowie zwei weiteren Kraftwerken im Vereinigten Königreich (Connah’s Quay Low Carbon Power und Killingholme Low Carbon Power project). Der Konzern plant laut Geschäftsbericht fossile Gaskraftwerke, um seine Scope-3-Emissionen zu reduzieren – diesen seien „wasserstofffähig“ oder „vorbereitet […] zur CO2-Abscheidung und -Speicherung“.2 Angesichts des schleppenden Wasserstoffhochlaufs und der Kostenineffizienz von CCS-Infrastruktur bergen diese geplanten Investitionen zur vermeintlichen Emissionsreduktion ein absehbar großes Risiko, hohe CO2-Emissionen auch mittel- bis langfristig festzuschreiben. Darum sollte Uniper die Verantwortung zur Umsetzung seiner Dekarbonisierungs-Maßnahmen nicht auf seine Kunden und die Schaffung entsprechender regulatorischer Rahmenbedingungen abschieben, sondern konsequent in erneuerbare Energiesysteme investieren.

Ausweitung der LNG-Importe – Neue Abhängigkeiten, alte Fehler

Auch bei der geplanten Ausweitung seiner LNG-Importe wiederholt Uniper alte Fehler. Der Konzern verließ sich zu sehr auf Russland als Gaslieferant, weswegen Uniper nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vom deutschen Staat gerettet werden musste. Trotz der angespannten Beziehungen zwischen der EU sowie Deutschland und den USA, will Uniper nun neben den bereits bestehenden US-LNG-Lieferverträgen noch mehr LNG aus den USA importieren.3 Bis vor kurzem hat Uniper daneben noch auf Lieferanten aus dem Nahen Osten gesetzt, um günstiges LNG in die EU zu importieren. Doch der aktuelle Irankrieg und die globalen steigenden Preise zeigen, mit welchen geopolitischen, ökonomischen, ökologischen und menschenrechtlichen Problemen der LNG-Import verbunden ist.

Suche nach neuen LNG-Verträgen: ökologisch und sozial desaströs

Nun sucht Uniper nach weiteren LNG-Importen, zum Beispiel aus Argentinien4 oder Kanada5. Doch auch diese potentiellen LNG-Lieferländer bergen nicht nur ökonomische Unsicherheiten, sondern auch massive ökologische, soziale Probleme: die in Argentinien geplanten LNG-Projekte im patagonischen Golf von San Matias hätten katastrophale Auswirkungen auf die ökologisch wertvolle Meeresfauna und das exportierte Fracking-LNG aus Vaca Muerta würde indigene Gemeinschaften verdrängen und sie ihrer landwirtschaftlichen Lebensgrundlage berauben. Auch der von Uniper anvisierte Liefervertrag vom geplanten LNG-Exportterminal „Ksi Lisims LNG“ in Westkanada steht aufgrund erheblicher negativer Auswirkungen auf Natur und lokale Bevölkerung bereits in der Kritik. Insbesondere die Landrechte der gegen das Projekt protestierenden First Nations und die lokalen Umweltauswirkungen des Projekts sind hochproblematisch. Statt der Diversifizierung der LNG-Lieferländer bietet nur der schnelle Ausstieg aus fossilen Energien eine wirklich nachhaltige Strategie zur Risikominimierung.

Zu Tagesordnungspunkt 4: Beschlussfassung über die Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats

Gegenantrag:

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre beantragt, den Mitgliedern des Aufsichtsrats die Entlastung für das Geschäftsjahr 2025 zu verweigern.

Begründung:

Die Tätigkeit des Aufsichtsrats im Geschäftsjahr 2025 gibt in wesentlichen Punkten Anlass zur Kritik.

Der Aufsichtsrat hat die strategische Ausrichtung des Unternehmens gebilligt und begleitet, obwohl diese weiterhin maßgeblich auf fossilen Geschäftsmodellen basiert. Insbesondere der Ausbau des Gasgeschäfts, steigende Investitionen in fossile Energien sowie der geplante Bau neuer Gaskraftwerke wurden mitgetragen, ohne dass eine hinreichend kritische Auseinandersetzung mit den damit verbundenen langfristigen Risiken erkennbar ist.

LNG-Strategie und Biomasse-Pläne

Die unter TOP 3 dargestellte Ausweitung der LNG-Importe und die damit verbundenen geopolitischen, ökologischen und sozialen Risiken hätten Anlass zu einer deutlich kritischeren Begleitung der Unternehmensstrategie geben müssen. Eine solche kritische Auseinandersetzung durch den Aufsichtsrat ist jedoch nicht ersichtlich.

Auch im Bereich der Kohleverstromung ist die Ausrichtung ähnlich. Die Verfolgung von Umrüstungsplänen auf Holzpellets zeigen, dass ökologisch problematische und nicht nachhaltige Ansätze weiterhin Teil der Unternehmensstrategie sind, ohne dass der Aufsichtsrat diese erkennbar hinterfragt.

Dividendenpolitik

Darüber hinaus hat der Aufsichtsrat die Ausschüttung einer Dividende trotz negativem operativem Cashflow und gleichzeitig hohem Investitionsbedarf mitgetragen. Den langfristigen Interessen des Unternehmens hätte gegenüber kurzfristigen finanz- und privatisierungspolitischen Zielsetzungen ein höheres Gewicht beigemessen werden müssen.

Insgesamt ist festzustellen, dass der Aufsichtsrat seiner Aufgabe, die Geschäftsführung kritisch zu begleiten und auf eine nachhaltige und zukunftsfähige Unternehmensentwicklung hinzuwirken, nicht in ausreichendem Maße nachgekommen ist.

Eine Entlastung kann somit nicht erfolgen.

1 Uniper Geschäftsbericht GJ 2025, S.134 https://www.uniper.energy/system/files/2026-03/2026_03_11_GJ_2025_Uniper_Geschaeftsbericht.pdf

2 Uniper Geschäftsbericht GJ 2025, S.141 https://www.uniper.energy/system/files/2026-03/2026_03_11_GJ_2025_Uniper_Geschaeftsbericht.pdf

3 www.spglobal.com/energy/en/news-research/latest-news/lng/022326-interview-uniper-eyes-more-us-lng-exposure

4 www.spglobal.com/energy/en/news-research/latest-news/lng/022326-interview-uniper-eyes-more-us-lng-exposure

5 https://www.reuters.com/business/energy/uniper-holds-lng-talks-with-canada-berlin-seeks-cut-us-reliance-sources-say-2026-03-05/

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.kritischeaktionaere.de/uniper/noch-mehr-teures-unsicheres-fossiles-gas-unsere-gegenantraege/