Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
sehr geehrte Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat,
ich spreche heute für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.
Uniper hat sich nach der Krise der vergangenen Jahre wirtschaftlich stabilisiert und im Geschäftsjahr 2025 wieder positive Ergebnisse erzielt. Dazu gratulieren wir.
Gerade deshalb stellt sich jedoch die Frage, welche strategischen Konsequenzen Uniper aus der Krise tatsächlich gezogen hat.
Ich möchte zunächst auf Aspekte eingehen, die im Geschäftsbericht aus unserer Sicht nur unzureichend behandelt werden.
Fehlende Transparenz bei Lieferketten und Menschenrechten
Auffällig ist zunächst, dass die vorgelagerte Lieferkette im Geschäftsbericht weitgehend ausgeblendet wird. Zwar verweist Uniper auf die Mitarbeit in Multi-Stakeholder-Initiativen wie Bettercoal und deutet damit ein Bewusstsein für entsprechende Problematiken an, gleichzeitig finden sich jedoch kaum konkrete Informationen zu menschenrechtlichen und ökologischen Risiken entlang der Lieferketten von Kohle und Gas.
Gerade im Zusammenhang mit Fracking-Gas, LNG-Importen oder Kohleabbau bestehen erhebliche Risiken für Biodiversität, Wasserressourcen sowie die Gesundheit betroffener Gemeinden. Besonders fragwürdig erscheint daher die Aussage im Geschäftsbericht, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Brennstoffen oder Produkten im Rahmen der Umweltrichtlinie nicht unterstützt werde, da keine wesentlichen oder potenziellen Auswirkungen identifiziert worden seien.
Auch Unipers „Just Transition Framework“ konzentriert sich im Wesentlichen auf eigene Standorte und Beschäftigte, während Auswirkungen entlang der fossilen Lieferketten kaum behandelt werden. Frühere Diskussionen um Kohlelieferketten aus Kolumbien oder Südafrika zeigen jedoch, dass entsprechende Risiken keineswegs theoretischer Natur sind. Immer wieder wurden Vorwürfe zu Umweltzerstörung, Vertreibung und Menschenrechtsverletzungen entlang der Lieferketten öffentlich gemacht.
Herr Lewis hat in seiner Rede die geplante EU-Methanverordnung angesprochen und einen Aufschub der Regelungen gefordert. Dabei geht es genau um jene Methanemissionen, die entlang der LNG-Lieferkette entstehen – etwa bei Förderung – insbesondere bei der Fracking-Methode -, Transport, Verflüssigung oder Wiederverdampfung des Gases. Methan zählt zu den gravierendsten Klimarisiken fossiler Gasförderung.
Daher ergeben sich für uns einige Fragen:
- Aus welchen Ländern und von welchen Lieferanten bezog Uniper im Geschäftsjahr 2025 Steinkohle und LNG?
- Welche konkreten menschenrechtlichen oder umweltbezogenen Risiken wurden entlang dieser Lieferketten identifiziert?
- Mit wie vielen Lieferanten wurden aufgrund erhöhter ESG-Risiken direkte Gespräche geführt und welche Regionen bzw. Länder betraf dies?
- Warum werden Menschenrechtsschulungen nur ausgewählten Lieferanten angeboten und nicht allen?
- Welche direkten Kohle-Abnahmeverträge bestehen aktuell mit welchen Unternehmen und bis zu welchem Jahr?
- Hat Uniper die Vorwürfe zu Menschen- und Umweltrechtsverletzungen entlang der Kohlelieferketten in den Vorjahren untersucht? Falls ja: zu welchen Ergebnissen ist man gekommen und welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
- Wie sieht der konkrete Austausch mit betroffenen Gemeinden, Organisationen und Lieferanten aus? Informiert sich Uniper auch vor Ort?
- An welchen Stellen der LNG-Lieferkette erhebt Uniper selbst Daten zu Methanemissionen und wie werden diese überprüft?
- Wie hoch schätzt Uniper die gesamten Methanemissionen entlang der eigenen LNG-Lieferketten ein?
- Ist die Forderung nach einem Aufschub der EU-Methanverordnung nicht letztlich ein Eingeständnis dafür, dass entlang relevanter LNG-Lieferketten erhebliche Klima- und Lieferkettenprobleme bestehen?
- Warum werden soziale und ökologische Risiken in der Lieferkette, wie sie bei der Förderung von Fracking-Gas oder dem Kohleabbau bestehen, als nicht wesentlich eingestuft, wenn doch ein erheblicher Teil des von Uniper bezogenen Gases aus solchen Quellen stammt und es beim Kohleabbau immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen kam?
- Wie passt die Aussage im Geschäftsbericht, wonach keine wesentlichen Auswirkungen entlang der Brennstofflieferketten identifiziert worden seien, mit der gleichzeitigen Forderung nach einem Aufschub der EU-Methanverordnung zusammen?
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Uniper die Verantwortung entlang der fossilen Lieferketten weiterhin nur unzureichend bis gar nicht berücksichtigt. Hier erwarten wir deutlich mehr Transparenz und eine konsequentere Umsetzung der gesetzlichen menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten.
Klimastrategie und Energiewende
Uniper betont regelmäßig die eigene Transformation und die Dekarbonisierung des Geschäftsmodells. Gleichzeitig wurde das Ambitionsniveau offenbar abgesenkt. Medienberichte, unter anderem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, weisen darauf hin, dass Uniper den angestrebten Anteil klimafreundlicher Stromerzeugung bis 2030 von ursprünglich 80 % auf nur noch „mindestens 50 %“ reduziert hat. Zusätzlich macht Uniper die Transformation zunehmend von regulatorischen Rahmenbedingungen und staatlicher Unterstützung abhängig.
Dem Geschäftsbericht lässt sich passend dazu entnehmen, dass der Anteil fossiler Energieträger am Gesamtenergieverbrauch um 14,6 % gestiegen ist, während die Erzeugung erneuerbarer Energien anstatt zu steigen, leicht zurückgegangen ist.
Zu ihrer Gasstrategie, zu LNG-Importen sowie zum geplanten Ausbau fossiler Gaskraftwerke wird noch durch meine Nachredner von den Partnerorganisationen Urgewald und der deutschen Umwelthilfe ausführlich Stellung genommen. Dennoch möchte auch ich betonen: Der zunehmende Fokus auf fossiles Gas, die Ausweitung der LNG-Importe sowie die starke Abhängigkeit von technologisch unsicheren Lösungen wie CCS und Wasserstoff stehen aus unserer Sicht im Widerspruch zu einer glaubwürdigen und konsequenten Transformation. Die Erfahrungen mit Wintershall Dea und der Uniper-Krise sowie aktuelle geopolitische Konflikte haben gezeigt, wie riskant ein Geschäftsmodell bleibt, das zu stark auf fossiles Gas und geopolitisch fragile Lieferketten setzt. Umso fragwürdiger erscheint es, dass Investitionen in fossile Gasinfrastruktur erneut den Schwerpunkt darstellen sollen.
Die „Diversifizierung“ der LNG-Lieferländer verändert aus unserer Sicht wenig an den strukturellen Problemen fossiler Abhängigkeiten sowie den damit verbundenen geopolitischen, sozialen und ökologischen Risiken. Herr Lewis begründet neue Gaskraftwerke mit sogenannten „Dunkelflauten“. Diese sind zwar eine reale Herausforderung für das Energiesystem, rechtfertigen aus unserer Sicht jedoch nicht automatisch den langfristigen Ausbau fossiler Infrastruktur.
Dazu habe ich folgende Fragen:
- Was ist aus Unipers Sicht entscheidend für die Geschwindigkeit der Transformation, abgesehen von regulatorischen Rahmenbedingungen und staatlichen Investitionen?
- In welchem Maße sieht sich Uniper auf staatliche Unterstützung bei der Transformation angewiesen?
- Wann rechnet Uniper mit der vollständigen Ausarbeitung der im Geschäftsbericht angekündigten standortspezifischen Resilienzanalyse?
- Besteht die Gefahr, dass notwendige Transformationsmaßnahmen zugunsten einer möglichst attraktiven Reprivatisierung zurückgestellt werden?
- Ab wann rechnet Uniper realistisch mit ausreichender Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff für den wirtschaftlichen Betrieb der angekündigten Kraftwerke und welche Annahmen liegen diesen Investitionsentscheidungen zugrunde?
- Herr Lewis hat neue Gaskraftwerke mit „Dunkelflauten“ begründet. Welche Alternativen wie Speichertechnologien, Lastmanagement oder Netzausbau wurden geprüft, um langfristige fossile Lock-in-Effekte zu vermeiden?
- Hält es Uniper für möglich, in Zukunft auf Fracking-Gas zu verzichten? Und wenn nicht, warum nicht?
Problematische Biomasse-Strategie
Kritisch sehen wir zudem die uns zugetragenen Pläne zur Umrüstung des Kohlekraftwerks in Rotterdam auf Holzpellets.
Die Verbrennung von Holz in großtechnischen Kraftwerken ist aus unserer Sicht keine nachhaltige Alternative zur Kohleverstromung. Sie erhöht den Druck auf Wälder, fördert Monokulturen, gefährdet Biodiversität und setzt kurzfristig erhebliche Mengen CO₂ frei, während eine Wiederbindung erst über Jahrzehnte erfolgt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass dadurch Investitionen in tatsächlich klimafreundliche Energien wie Wind- und Solarenergie verdrängt oder verzögert werden.
Daher fragen wir:
- Warum verfolgt Uniper Pläne zur Umrüstung des Kraftwerks auf Holzpellets, und wie möchte Uniper sicherstellen, dass hierfür keine Entwaldung oder Biodiversitätsverluste in Kauf genommen werden?
- Aus welchen Regionen soll das benötigte Holz stammen?
- Wie bewertet Uniper die Kritik von Umweltorganisationen an großtechnischer Holzverbrennung?
Sehr geehrte Damen und Herren,
Angesichts des erheblichen Investitionsbedarfs sowie der bestehenden strategischen und regulatorischen Risiken halten wir die Ausschüttung einer Dividende aus kurzfristigen finanz- und privatisierungspolitischen Motiven für nicht überzeugend. Hier hätte den langfristigen Interessen des Unternehmens ein höheres Gewicht beigemessen werden müssen.
Wir werden Vorstand und Aufsichtsrat daher auch in diesem Jahr nicht entlasten und haben entsprechende Gegenanträge eingereicht, die ich hiermit auch formal stelle.
Insgesamt sehen wir – dass Uniper im eigenen Geschäftsbetrieb – insbesondere in Europa – in allen Bereichen große Fortschritte gemacht hat. Das möchte ich zum Schluss nochmals ausdrücklich betonen und auch anerkennen. Gleichzeitig wurden zentrale Risiken entlang der fossilen Lieferketten trotz bestehender Lieferkettengesetze bislang nur unzureichend berücksichtigt.
Auch der Anspruch Unipers, eine führende Rolle bei der Transformation des Energiesystems einzunehmen, ist ausdrücklich zu begrüßen. Wer einen solchen Anspruch erhebt, muss sich jedoch auch an entsprechend hohen Klima-, Umwelt- und Menschenrechtsstandards messen lassen.
Hier sehen wir weiterhin Verbesserungsbedarf – auch bei grundsätzlicher Anerkennung von Gas als Brückentechnologie. Eine stärkere Berücksichtigung der Risiken entlang der Lieferketten sowie eine stärkere Fokussierung auf Alternativen wie Energiespeicher und die dafür notwendige Infrastruktur würden die Transformationsstrategie aus unserer Sicht deutlich glaubwürdiger machen.
Vielen Dank!







