Rede Ulf Georgiew

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Ulf Georgiew, und ich spreche hier für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Seit fast sechs Jahren berichte ich auf der Hauptversammlung der Aurubis AG über die Folgen der fehlenden Umweltgerechtigkeit am Aurubis-Standort in Bulgarien und den Kritiken von Umwelt- und Menschenrechtsinitiativen zu fehlender Unternehmens-verantwortung entlang der Lieferkette der Aurubis. Und verfolge sehr intensiv, wie der Vorstand und der Aufsichtsrat im Anschluss an die Hauptversammlung mit ihren Antworten auf die Fragen umgegangen sind.

Zunächst möchte ich den Vorstand zum Tagesordnungspunkt 3: „Entlastung des Vorstands“, über Vorgänge im abzustimmenden Wirtschaftsjahr befragen.

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender, die Aurubis betreibt an ihrem bulgarischen Standort seit 2012/2013 ein Sozialprojekt mit dem Namen: „Gesünder Leben“. Ein Projekt, bei dem an zwei Grund- und Realschulen in Pirdop bzw. Zlatitza ca. 500 Schüler an drei Tagen in der Woche Obst der Saison zum Frühstück erhalten. Die Refinanzierung des Projekts erfolgt für die Aurubis auch aus gewonnen Prozessen von Einsprüchen aus den Umweltverträglichkeitsverfahren zu Kapazitätserweiterungen bzw. dem  Bau eines Arsen-Cadmium Depots auf dem dortigen Werksgelände.

Darüber hat die Werksleitung die lokalen Medien per Interview informiert, die anschließend darüber berichteten. In dem Interview über das Schulsponsoring der Aurubis wurden auch die Namen der Einredenden gegen die Umweltverträglichkeitsprüfungen in den Medien benannt, und welchen Schaden sie mit ihren Einreden dem Unternehmen zufügten.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Willbrand hatte uns Aktionäre auf der Hauptversammlung 2014 informiert, dass die Aurubis Einnahmen aus den gewonnen Umweltverträglichkeitsverfahren für einen wohltätigen Zweck am Standort spenden wolle. Den genauen Verwendungszweck hat er damals nicht mitgeteilt. Wir Kritischen Aktionäre hätten wohl schon damals gesagt, dass diese Form des Schulsponsoring eine politische Einflussnahme des Unternehmens auf die bildungspolitische Unabhängigkeit der Bildungsträger ist und sie zu Lasten  von Umwelt- und Bürgerinitiativen gehen, die nicht über personelle und finanzielle Möglichkeiten einer schulischer Lobbyarbeit verfügen. In Deutschland ist diese Form des Schulsponsorings nicht zulässig.

Hierzu hätte ich folgende Fragen an den Vorstand:

  • Welchen Nutzen sollte dieses Schulsponsoring der Aurubis bringen? Hat es den Nutzen erbracht?
  • Hatten Sie die Zustimmungen der Schuldirektoren der betroffenen Schulen erhalten, dass sie die Hintergründe der Refinanzierung des Schulsponsorings, die Namen der betroffenen NGOs und Bürgerinitiativen in einem gemeinsamen Zusammenhang mit den Schulen veröffentlichen?
  • Wie erfolgten die Vereinbarungen der Aurubis über Schulsponsoring mit den betroffenen Schulen?
  • Es gibt ein Europäisches Förderprogramm in Bulgarien, wonach Schüler kostenlos Obst zum Frühstück erhalten, warum hat Aurubis dennoch an dem Schulsponsoringprojekt festgehalten?
  • Werden Sie das Programm fortsetzen?


Im Folgenden möchte ich ebenfalls zum Tagesordnungspunkt 3: „Entlastung des Vorstands“,

den Vorstand zu folgendem Sachverhalt befragen:

Am 16. November 2016 haben alle Bürgermeister in den umliegenden Städten und Gemeinden am Aurubis-Standort Pirdop gegen die Schließung des einzigen regionalen Krankenhauses demonstriert. Sie haben mit weiteren Anwohnern wichtige Verkehrsadern wie Straßen und Zugstrecken blockiert. Ohne das Krankenhaus ist eine schnelle medizinische Versorgung und eine dauernde Gesundheitsbetreuung auf Grund der jahrelangen Schadstoffemissionen des Aurubis-Werks für die lokale Bevölkerung und seine Mitarbeiter nicht die mehr möglich. Das nächste Krankenhaus ist eineinhalb Autofahrtstunden von Pirdop entfernt, das wäre auch die Zeit, die ein Verletzter auf den Rettungswagen warten müsste. In Fällen von akuten Herz- und Kreislaufstörungen oder Verletzungen ist diese Zeit viel zu lang.

Die Werksleitung der Aurubis und weitere große Firmen der Region, die alle auch Lieferanten der Aurubis sind, wurden um Unterstützung zur Rettung des Krankenhauses angefragt.  Auf einer von den Bürgermeistern einberufenen öffentlichen Versammlung am 15.02.2017 in Zlatiza waren trotz Einladung keine verantwortlichen Vertreter der Aurubis und ihrer Lieferanten anwesend.

Hierzu meine Frage an den Vorstand:

  • Warum war kein Vertreter der Aurubis auf der Versammlung am 15.02.2017 anwesend?
  • Wie wichtig sind Ihnen die Gesundheit der Mitarbeiter und der Bevölkerung am Aurubis-Standort in Bulgarien?
  • Warum nehmen Sie nicht Stellung zur Anfrage der Bürgermeister?

Auf eine Anfrage in 2014 an den damaligen Vorstandsvorsitzenden Willbrand, ob die Aurubis das Krankenhaus in Pirdop finanziell unterstützen würde, wurde geantwortet, dass die Aurubis die öffentliche Hand in der Verantwortung für der Finanzierung des Krankenhauses in Pirdop sieht.

Wenn aber der öffentlichen Hand keine ausreichenden Mittel zur Verfügung stehen, u.a. auch weil nur eine unzureichende Besteuerung der Unternehmen erfolgt, wie z.B. für Aurubis mit einer Flat-Tax von 10%, dann sehen wir auch die Aurubis in der Pflicht, die medizinische Versorgung und Betreuung an ihren Standorten zu unterstützen. Die Aurubis und die örtlichen Minenbetreiber Dundee Precious Metals und Ellatzite Med erwirtschaften 8 % des Bruttoinlandsprodukts von Bulgarien. Warum sind sie nicht in der Lage, für eine adäquate gesundheitliche Versorgung für die Bevölkerung in der Region Sredna Gora zu sorgen?

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender, bleibt der Vorstand bei seiner Haltung aus  2014  oder wird es eine Unterstützung zum dauernden Erhalt des Krankenhauses geben?

Folgende Fragen möchte ich abschließend zum Tagesordnungspunkt 3 stellen:

Im Geschäftsbericht ist von einer Planung eines Projekts Future Complex Metallurgy, kurz FCM, die Rede. Wie hoch werden die maximalen Arsenkonzentrationen des zu verarbeiteten den Kupferkonzentrats am Standort Hamburg und Pirdop jeweils sein?

Es wird in Deutschland eine Unfallverhütungsvorschrift für Gefahrenstoffe Krebserregende Metalle, die TGRS Metall, geben. Darin werden die Unternehmen verpflichtet, bei Umgang mit krebserzeugenden Metallen, z.B. bei der Verarbeitung von Kupferkonzentraten,  Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Meine Frage: Werden Sie am Standort in Bulgarien die gleichen Normen umsetzen? Wenn ja, werden Sie ihre Lieferanten hierzu auch verpflichten?


Warum geht die Aurubis in ihren Nachhaltigkeitsberichten nicht mehr auf die an den Werksstandorten angrenzenden Natura2000-Schutzgebiete ein?  In den Nachhaltigkeitsberichten aus 2011 und 2013 wurden sie noch im GRI Index ausgewiesen.

Wie hoch sind die für den Klimawandel verantwortlichen CO2-Emmisionen des Unternehmens für 2016? Wie viele CO2-Zertifikate wurden gekauft? Wie hoch war der Gesamtpreis der Zertifikate? Ist die Aurubis für den Werksstandort in Bulgarien vom CO2-Emmisionshandel befreit?

Wie viele Auszubildende hat die Aurubis in Bulgarien? Wie hoch ist ihr Anteil an der Gesamtmitarbeiterzahl in Bulgarien? Wie hoch ist der Schnitt im Konzern?

Zum Schluss möchte ich kurz zum Tagesordnungspunkt 4, „Entlastung des Aufsichtsrat“, Folgendes mitteilen.

Sie waren im letzten Jahr zweimal am bulgarischen Standort Pirdop, um Aufsichtsratssitzungen abzuhalten. Es wäre eine Gelegenheit gewesen, sich mit der lokalen Bevölkerung und Bürgerinitiativen aus der Region über ihre Gesundheits- und Umweltprobleme  zu informieren. Warum haben Sie nicht einmal das Krankenhaus besichtigt und Kontakt mit Bürgerinitiativen gesucht?

Eine Woche nach ihrer Aufsichtsratssitzung in Pirdop gab es ein Treffen mit Bürgerinitiativen aus Zlatiza, Umwelt- und Menschenrechtlern aus Kupferabbau- und Verarbeitungsgebieten in Peru und Namibia, die von Lieferanten der Aurubis betrieben werden und der NGO Bankwatch. Auf dem Treffen wurde über Umweltgerechtigkeiten an den jeweiligen Kupferabbau- und Kupferverarbeitungsgebieten gesprochen.

Es wird Zeit, dass auch der Aurubis-Vorstand und Aurubis-Aufsichtsrat sich seiner Verantwortung für Umweltgerechtigkeit bei Aurubis und ihren Lieferanten annimmt.

Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender, sehr geehrte Aktionäre, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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