Virtuelle Hauptversammlung am 6. Mai 2026

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats,
mein Name ist Charlotte Kehne und ich spreche hier heute für die Organisation Ohne Rüstung Leben, eine der Mitgliedsorganisationen des Dachverbands Kritische Aktionärinnen und Aktionäre.
Daimler Truck vertritt sein Rüstungsgeschäft mittlerweile zunehmend selbstbewusst. Man stehe zu der Produktion von Militärfahrzeugen, heißt es beispielsweise auf der Webseite. Das Defence-Geschäft sei ein zentraler Wachstumstreiber der nächsten Jahre und laut Geschäftsbericht eine „globale Priorität“. Und diese Ausrichtung wurde heute Morgen ja nochmal bestätigt.
Im Geschäftsbericht 2025 betonen Sie, Frau Rådström, dass die gestiegene Bedeutung von Verteidigung zwar eine ernüchternde Realität darstelle, jedoch – ich zitiere – für „Daimler Truck erhebliche Geschäftschancen [eröffnet] – die wir verantwortungsvoll nutzen wollen“.
Solch ein Bekenntnis zu Verantwortung steht aus unserer Sicht im eklatanten Widerspruch zu fehlender Transparenz und zweifelhaften strategischen Partnern!
Eins ist klar: Daimler Truck verkauft Militärfahrzeuge, profitiert davon und will diesen Profit weiter steigern. Die konkreten Empfängerländer ihrer Militärfahrzeuge lassen Sie jedoch im Dunkeln. Nicht einmal zur prozentualen Verteilung auf EU, NATO und NATO-gleichgestellte Länder sowie Drittstaaten bezogen Sie auf unsere Fragen hin auf der letzten Hauptversammlung Stellung. Nachdem Sie 2024 Empfängerländer genannt haben, kehrte Daimler Truck somit wieder zu der bereits in den Jahren vor 2024 vorherrschenden Intransparenz zurück – das ist ein fataler Rückschritt! Zumal die Präsenz auf der Rüstungsmesse IDEX 2025 in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder der World Defense Show 2026 in Saudi-Arabien unterstreicht, dass der Konzern augenscheinlich nicht davor zurückschreckt, an Autokraten und in Krisenregionen zu liefern. 2023 waren unter den Empfängern von Daimler-Militärfahrzeugen etwa Algerien, Ägypten, die VAE und Saudi-Arabien.
Deshalb fragen wir heute erneut, sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat:
- Wie viele Militärfahrzeuge wurden im Jahr 2025 in welche Länder exportiert? Bitte nennen Sie die Empfängerländer, die Anzahl pro Empfängerland und die Fahrzeug-Typen.
- In welchem Wert hat Daimler Truck im Jahr 2025 Militärfahrzeuge exportiert? Wie hoch war der Prozentanteil davon in EU-, NATO und gleichgestellte Staaten sowie sog. Drittstaaten?
Daimler Truck kooperiert seit 2025 mit dem französischen Rüstungsunternehmen Arquus, mit dem gemeinsam der „Zetros by Arquus“ produziert wird. Dabei scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass Arquus ein durchaus problematischer strategischer Partner ist. 2018 veröffentlichte Amnesty International eine Recherche, nach der von Renault Trucks Defense (seit 2018 Arquus) hergestellte Militärfahrzeuge seit 2012 von Ägypten bei der brutalen Repression im Rahmen des Arabischen Frühlings eingesetzt wurden.
- Waren Ihnen diese Berichte bekannt als Sie die Partnerschaft eingegangen sind?
Eine Produktfamilie der im Bericht genannten Fahrzeuge bezeichnet Arquus auf seiner Website als „combat proven“ und betont bis heute die lange Partnerschaft mit Ägypten, die Arquus als „eine der langjährigsten Exportpartnerschaften“ bezeichnet. Das Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC) bewertet Ägypten in sechs der acht Kriterien für den Rüstungsexport des Gemeinsamen Standpunkts der EU als kritisch.
- Wie ist eine solche Geschäftsstrategie von Arquus vereinbar mit Daimler Trucks Bekenntnis, sich „für die Achtung und Wahrung der Menschenrechte [einzusetzen] und … dies auch von unseren Geschäftspartnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette [zu erwarten]“?
Sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat, durch fehlende Transparenz und zweifelhafte strategische Partner wird Daimler Truck sogar den selbst gesetzten Ansprüchen nicht gerecht. Wenn es Daimler Truck tatsächlich ernst damit meint, dass der Konzern zu seinem Geschäft mit Militärfahrzeugen steht, muss das bedeuten, öffentliche Kontrolle zu ermöglichen. Es bedarf zudem klare Grenzen! Trennen Sie sich von Kunden, die Menschenrechte verletzen oder in völkerrechtswidrige Gewalttaten verstrickt sind!
Meine weiteren Fragen:
- Daimler Truck verfolgt die Strategie industrieller Kooperation z.B. im Senegal. Im Senegal sollen aus Deutschland gelieferte Fahrzeugkomponentensätze vor Ort fertig montiert und so unterschiedliche Mercedes-Benz LKW-Baureihen gefertigt werden – Medienberichten zufolge auch Militärlaster. Der Senegal möchte Berichten zufolge „seine Verteidigungsindustrie ausbauen und auch überregional exportieren“. Wird der Re-Export von Daimler Truck-Fahrzeugen aus dem Senegal möglich sein oder ist dieser ausgeschlossen?
- Auf vergangenen Hauptversammlungen antworteten Sie, dass u.a Daimler Trucks North America militärische Nutzfahrzeuge in geringem Umfang produzieren. Werden diese auch aus den USA heraus exportiert? Wenn ja, bitte nennen Sie die Empfängerländer und den Wert der Exporte für das Jahr 2025.
- Mit welchen Empfängerländern gibt es Verträge, die anschließende Service- und Wartungsarbeiten sowie sonstige Dienstleistungen umfassen? Wie hoch ist der Anteil von EU-/NATO und gleichgestellte Staaten sowie Drittstaaten unter diesen Empfängerländern?
- Für welche militärischen Fahrzeugtypen liefert Daimler Truck Fahrgestelle zu?
- Bitte nennen Sie die Endbestimmungsländer von Daimler Truck Fahrgestellen aus dem Jahr 2025. Wie sichert Daimler Truck den Endverbleib von Fahrgestellen, die in Produkte anderer Hersteller integriert werden?
- In welchem Wert hat Daimler Truck im Jahr 2025 Fahrgestelle für militärischen Fahrzeuge exportiert? Wie hoch war der Prozentanteil davon in EU-, NATO und gleichgestellte Staaten sowie sogenannte Drittstaaten?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ich hoffe, dass wir zu diesen Themen im kritischen Dialog bleiben werden!







