Daimler Truck AG Klimaschutz Hauptversammlung 2026

„Strategische Fehlentscheidungen setzen Zukunft des Unternehmens aufs Spiel“: Rede von Markus Dufner auf der Hauptversammlung der Daimler Truck AG 2026

Dachverband verweigert Vorstand und Aufsichtsrat auf der virtuelle Hauptversammlung am 6. Mai 2026 die Entlastung

Sehr geehrte Frau Rådström, sehr geehrte Herr Kaeser, sehr geehrte Konzernverantwortliche, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre!

mein Name ist Markus Dufner. Ich bin Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Mit 29 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Menschenrechte und gewerkschaftliche Rechte repräsentiert der Dachverband einen Teil der Zivilgesellschaft. Zudem ist der Dachverband Mitglied der Klimaallianz Deutschland mit 155 Mitgliedsorganisationen.

Frau Rådström und Herr Kaeser, lassen Sie uns einen ehrlichen Blick auf die Zahlen und die Strategie werfen. Kurzfristig präsentiert sich das Unternehmen in einer starken Verfassung. Die Zahlen stimmen, die Dividende ist stabil. Doch wir stehen hier nicht, um den Status quo zu feiern, sondern um die langfristige Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens abzusichern. Und genau hier sehen wir gravierende strategische Fehlentscheidungen, die die Zukunft von Daimler Truck aufs Spiel setzen.

Ich werde nun die vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre eingereichten Gegenanträge zu den Tagesordnungspunkten 3 und 4 begründen.

Wir beantragen, den Mitgliedern des Vorstands und den Mitgliedern des Aufsichtsrats die Entlastung zu verweigern.

Frau Rådström, der Vorstand verfehlt seine Verpflichtungen bei der Elektrifizierung, bei den Klimazielen sowie bei der Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in zentralen Märkten. Besonders kritisch betrachten wir das Verhalten in den USA.

Wir sehen erhebliche Rückschritte im wichtigsten Markt Nordamerika. Daimler Truck North America (DTNA) hält einen Marktanteil von 40 % in den USA und ist damit ein enorm einflussreicher Akteur. Statt diese Position für eine zukunftsorientierte Gestaltung zu nutzen, erleben wir eine bedenkliche Ausrichtung an kurzsichtigen politischen Agenden.

Anstatt den Wandel zu beschleunigen, unternimmt Daimler Truck North America aggressive Schritte, um Klimaregulierungen auszubremsen oder zurückzunehmen:

  • Stichwort Unterstützung deregulatorischer Vorstöße: DTNA unterstützte im Februar 2026 die Rücknahme des „Endangerment Finding“ von 2009, was die Regulierung von Treibhausgasemissionen in den USA beenden würde.
  • Stichwort Klagen gegen Klimastandards: DTNA und der Branchenverband EMA forderten den Bundesstaat Kalifornien auf, seine Regulierung im Verkehrssektor einzustellen, und reichten Klagen ein.
  • Stichwort Lobbyarbeit in Europa: Auch in der Europäischen Union war Daimler an Vorstößen beteiligt, die zur Abschwächung der CO₂-Standards beitrugen – mit der Folge eines prognostizierten Rückgangs der Verkäufe elektrischer Lkw um 27 Prozent bis 2030.

Gravierend ist der Verlust von Marktanteilen an neue Wettbewerber. Während Daimler seine Investitionen in batterieelektrische Antriebe in Nordamerika drosselt, wächst die Konkurrenz rasant. Untersuchungen des ICCT zeigen deutlich, dass der Medianpreis für batterieelektrische Sattelzugmaschinen der Klasse 8 in den USA seit 2020 um 27 % gestiegen ist, während er in der EU im selben Zeitraum um 32 % gesunken ist.

Die Folgen sind alarmierend:

  • Während Daimlers Marktanteil bei schweren Elektro-Lkw in den USA im Jahr 2025 bei 19 % lag, erreichten neue Anbieter bereits 55 %.
  • Der Tesla Semi soll künftig Liefermengen von bis zu 50.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen.
  • Tesla bot in Kalifornien einen Medianpreis von 290.000 US-Dollar, während der Freightliner eCascadia bei 490.000 US-Dollar lag. Entsprechend gingen 90 % der Fördergutscheine an Tesla.

Frau Rådström, diese Strategie gefährdet die Marktführerschaft von Daimler Truck.

Zur Geschäftstätigkeit von Daimler Truck in den USA habe ich sieben Fragen:

  1. Hat der Vorstand die Auswirkungen seiner Lobbyarbeit in den USA – sowohl direkt als auch über seine Branchenverbände – auf seine globalen Elektrifizierungs- und Klimaziele, seine Fähigkeit zur Serienfertigung von Elektro-Lkw sowie auf die Fähigkeit von Daimler Truck, angesichts des weltweiten Umstiegs auf Elektro-Lkw profitabel zu bleiben und die Marktnachfrage zu bedienen, analysiert?
  2. Kann Daimler Truck erläutern, wie das Unternehmen sein Engagement in der Politikgestaltung in wichtigen Regionen steuert? Welche Prozesse sind vorhanden, um sicherzustellen, dass Daimlers Engagement in der Politikgestaltung in wichtigen Regionen mit der erklärten Klima- und Elektrifizierungsstrategie des Unternehmens im Einklang steht?
  3. Wie gedenkt Daimler Truck seine Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten, nachdem wichtige US-amerikanische Fördermaßnahmen für sein Geschäft mit Elektro-Lkw weggefallen sind?
  4. Hat der Vorstand seine Preisstrategie für Elektro-Lkw und deren Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Daimler Truck gegenüber neuen Marktteilnehmern wie Tesla analysiert?
  5. Wird sich Daimler Truck dazu verpflichten, eine detaillierte Übersicht über seine Standpunkte zu wichtigen klimapolitischen Maßnahmen und sein Engagement in diesem Bereich zu veröffentlichen, einschließlich der Aufdeckung etwaiger Abweichungen zwischen öffentlichen Klimaschutzzusagen und Lobbyarbeit?
  6. Wie bewertet der Vorstand das Risiko, dass Bestrebungen zum Abbau regulatorischer Auflagen in einem Rechtsraum das Vertrauen der Anleger, die Marktstabilität und Investitionen in die Elektrifizierung in anderen Kernmärkten (wie beispielsweise der EU) untergraben könnten?
  7. Hat der Vorstand eine Szenarioanalyse der finanziellen und wettbewerblichen Risiken durchgeführt, die mit einem fragmentierten oder geschwächten regulatorischen Umfeld für Schwerlastfahrzeuge in den USA verbunden sind?

Nun komme ich zu Tagesordnungspunkt 4: Sehr geehrter Herr Kaeser, leider müssen wir auch dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Wir sind der Auffassung, dass Sie Ihre Kontrollpflicht im Hinblick auf eine nachhaltige, zukunftssichere Strategie nicht ausreichend wahrgenommen haben.

Wir sehen eine Fokussierung auf kurzfristige Gewinne anstatt auf eine langfristige Skalierung. Die derzeitige Strategie, die hohe Margen bei niedrigen Stückzahlen priorisiert, ist in einem von Skaleneffekten geprägten Markt brandgefährlich. Der entstehende Markt für batterieelektrische Lkw belohnt frühe Marktteilnehmer durch sinkende Kosten. Ein langsamer Hochlauf verzögert Lernkurveneffekte und die für kleine und mittlere Unternehmen notwendige Preissenkung.

Hinzu kommt der wachsende Druck durch neue Wettbewerber, insbesondere aus China. Die derzeitige Preisfixierung und die Verzögerung der Skalierung können dazu führen, dass wichtige Wertschöpfungsschritte dauerhaft verloren gehen.
Herr Kaeser, nutzen Sie mit dem Aufsichtsrat Ihre Möglichkeit, den Vorstand zu einem Strategiewechsel anzuhalten.

Sehr geehrter Herr Kaeser, ich habe fünf Fragen an Sie:

  1. Wie überwacht der Aufsichtsrat, ob die geplanten Anteile batterieelektrischer Fahrzeuge für 2027, 2028, 2029 und 2030 in Europa ausreichen, um mit den EU-CO₂-Standards für schwere Nutzfahrzeuge in Einklang zu stehen, und welche konkreten Zielpfade liegen dem Aufsichtsrat dazu vor?
  2. Wie bewertet und kontrolliert der Aufsichtsrat, dass politische Aktivitäten des Unternehmens zur Abschwächung oder Verzögerung der EU-CO₂-Standards nicht den langfristigen Wettbewerbsinteressen des Unternehmens widersprechen – gerade wenn Daimler Truck aktuell gut positioniert ist, die Standards zu erfüllen?
  3. Wie überprüft der Aufsichtsrat, ob interne Kostenallokationen – etwa die Verteilung von Forschungs- und Entwicklungskosten auf das Gesamtportfolio oder speziell auf emissionsfreie Fahrzeuge – das Preisniveau batterieelektrischer Fahrzeuge unnötig erhöhen und damit die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen?
  4. Daimler Truck verweist regelmäßig auf einen Bedarf von zehntausenden öffentlichen MCS-Ladepunkten. Gleichzeitig spielt Depotladen eine zentrale Rolle, und regulatorische Rahmenbedingungen haben sich verändert. Wie hat der Aufsichtsrat überprüft, ob die vom Unternehmen kommunizierten Annahmen zum Bedarf öffentlicher MCS-Ladeinfrastruktur mit realistischen Markthochlaufszenarien und den veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen vereinbar sind?
    1. Wurden diese Annahmen vor dem Hintergrund der Bedeutung von Depotladen und aktualisierter Absatzpfade durch den Aufsichtsrat neu bewertet? Mit welchem Ergebnis?
    2. Wie bewertet der Aufsichtsrat, ob bei solchen Infrastrukturforderungen auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit und der Business Case für Betreiber – etwa Auslastung, Erlösperspektiven und Netzanschlusskosten – realistisch berücksichtigt werden?
    3. Wie begegnet der Aufsichtsrat dem Eindruck, dass überhöhte Infrastrukturbedarfe als Argument genutzt werden könnten, um regulatorische Ambitionen abzuschwächen oder mangelnde Fortschritte beim eigenen Markthochlauf zu rechtfertigen — oder Defizite bei Preis- und Vertriebsstrategie nach außen auf Infrastrukturengpässe zu verlagern?
  5. Wie stellt der Aufsichtsrat sicher, dass die Lobbystrategie des Unternehmens dem Hochlauf batterieelektrischer Lkw nicht im Weg steht, sondern ihn unterstützt?

Ich fasse abschließend zusammen:

Die gegenwärtige Kombination aus Preisstrategie, Skalierungsgeschwindigkeit, regulatorischer Positionierung und Kapital-Allokation ist nicht ausreichend auf die strukturellen Anforderungen der Transformation ausgerichtet. Wir fordern den Vorstand und den Aufsichtsrat auf, den notwendigen Kurswechsel einzuleiten, die regulatorischen Blockaden zu beenden und die Elektrifizierung konsequent voranzutreiben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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