Allgemein HHLA AG Hauptversammlung 2026

„Behalten Sie bei der Transformation Beschäftigte und Klimaziele im Blick – und hinterfragen Sie die wachsende Macht von MSC“: Rede von Matthias Bachmann

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Vorstand und Aufsichtsrat,

ich spreche heute für den Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Bereits im vergangenen Jahr haben wir deutliche Kritik am Einstieg der Mediterranean Shipping Company, kurz MSC, bei der HHLA geäußert. Damals wurde uns vermittelt, dass der Einstieg Stabilität, Zukunftsinvestitionen und Wachstum sichern solle.

Heute, ein Jahr später, sehen wir eine Entwicklung, die unsere damaligen Sorgen bestätigt.

Denn aus dem Einstieg eines Großaktionärs ist inzwischen faktisch die vollständige Machtübernahme geworden.

Die Port of Hamburg Beteiligungsgesellschaft hält inzwischen über 95 Prozent der Aktien und hat Anfang Januar 2026 ein Squeeze-out-Verlangen angekündigt. Minderheitsaktionärinnen und Minderheitsaktionäre sollen also gegen Barabfindung ausgeschlossen werden.

Mit dem Squeeze-out verschwindet nicht nur die Börsennotierung der HHLA in ihrer bisherigen Form. Es geht auch um die Frage, wie viel öffentliche Kontrolle, Transparenz und Mitbestimmung bei einer kritischen Infrastruktur wie dem Hamburger Hafen künftig überhaupt noch bestehen bleiben.

Der Hamburger Hafen ist kein gewöhnliches Unternehmen. Er ist zentrale Infrastruktur für Versorgung, Handel und Beschäftigung. Umso problematischer ist es, wenn strategische Entscheidungen zunehmend unter dem Einfluss eines privaten globalen Schifffahrtskonzerns getroffen werden.

Herr Eijsink hat heute hervorgehoben, dass die Verlagerung weiterer MSC-Dienste zur HHLA die Geschäftsentwicklung im Jahr 2025 maßgeblich unterstützt hat und MSC ihre Mengenzusagen sogar übertroffen habe.

Das unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung von MSC für die HHLA. Es wirft aus unserer Sicht aber zugleich die Frage auf, wie groß die Abhängigkeit von einem einzelnen Kunden und gleichzeitig bedeutenden Anteilseigner künftig werden wird.

Gerade deshalb kommt der aktuellen Transformation der HHLA eine besondere Bedeutung zu.

Denn parallel zur Machtverschiebung in der Eigentümerstruktur erlebt das Unternehmen tiefgreifende Veränderungen:

  • zunehmende Automatisierung,
  • umfassende Digitalisierung,
  • steigender Effizienz- und Kostendruck,
  • sowie massive Investitionen in neue Technologien.

Allein 2025 investierte die HHLA mehr als 500 Millionen Euro – ein Anstieg um über 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch die Transformation der HHLA wird nicht allein an neuen Technologien oder steigender Effizienz gemessen werden.

Entscheidend wird ebenso sein, ob es gelingt, die Beschäftigten auf diesem Weg mitzunehmen.

Gerade in einer Phase tiefgreifender Veränderungen erwarten wir, und solange wir das als Aktionäre noch äußern können tun wir das auch, einen besonderen Fokus auf Mitbestimmung, Arbeitsschutz und soziale Sicherheit.

Denn viele Beschäftigte erleben diese Transformation nicht abstrakt, sondern konkret – durch neue Anforderungen, Umstrukturierungen und die Sorge, wie sich Automatisierung und Digitalisierung langfristig auf ihre Arbeitsplätze und Tätigkeitsprofile auswirken werden.

Herr Eijsink hat heute betont, dass bei der HHLA am Ende immer der Mensch im Mittelpunkt stehe. Das begrüßen wir ausdrücklich.

Gerade deshalb halten wir es für wichtig, einen genaueren Blick auf die Situation der Beschäftigten während dieser Transformation zu werfen.

Die HHLA weist beispielsweise für 2025 konzernweit 196 meldepflichtige Arbeitsunfälle aus. Die Unfallhäufigkeitsrate LTIR liegt bei 14,33.

Erstmals veröffentlicht die HHLA diese Kennzahlen konzernweit. Die ausgewiesenen Werte zeigen aus unserer Sicht, dass Arbeitsschutz und sichere Arbeitsbedingungen einen noch höheren Stellenwert erhalten müssen.

Hinzu kommt, dass die HHLA lediglich eine tarifvertragliche Abdeckungsquote von 56,5 Prozent ausweist.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Fast die Hälfte der Beschäftigten arbeitet offenbar außerhalb tarifvertraglicher Absicherung.

Gerade in einem traditionsreichen Hafenunternehmen mit starker öffentlicher Beteiligung und einer historisch starken gewerkschaftlichen Verankerung erscheint diese Quote überraschend niedrig.

Deshalb frage ich:

Warum liegt die tarifvertragliche Abdeckungsquote bei lediglich 56,5 Prozent, welche Teile des Konzerns oder welche Beschäftigtengruppen sind nicht tarifgebunden?

Und wie will die HHLA verhindern, dass neue Tätigkeiten im Zuge der Automatisierung zunehmend außerhalb tariflicher Standards organisiert werden?

Und außerdem:

Wie bewertet der Vorstand die Unfallhäufigkeitsrate von 14,33 und die Zahl von 196 meldepflichtigen Arbeitsunfällen im Geschäftsjahr 2025?

Wie haben sich die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle und die Unfallhäufigkeitsrate in den vergangenen Jahren entwickelt und welche konkreten Ziele verfolgt die HHLA für deren Reduzierung?

Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits ergriffen beziehungsweise sind geplant, um die Arbeitssicherheit nachhaltig zu verbessern und die Zahl der Arbeitsunfälle zu senken?

Wie stellt die HHLA sicher, dass die bestehenden Qualifizierungsmaßnahmen ausreichen, um Beschäftigte langfristig auf die Folgen der zunehmenden Automatisierung und die damit verbundenen Veränderungen von Tätigkeitsprofilen vorzubereiten?

Auch weitere Sorgen vieler Beschäftigter über die Rolle von MSC sind keineswegs verschwunden.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Gewerkschaften und Beschäftigtenvertretungen davor gewarnt, dass mit dem Einstieg von MSC langfristig stärkerer Kostendruck, Rationalisierungsmaßnahmen und eine Schwächung von Mitbestimmung drohen könnten.

Diese Sorgen wirken heute, angesichts des Squeeze-outs, keineswegs unbegründet.

Denn MSC ist kein börsennotierter Konzern mit umfassender Transparenzpflicht, sondern ein privat kontrolliertes Familienunternehmen, dessen Standards bei Mitbestimmung, Nachhaltigkeit und öffentlicher Rechenschaft nicht mit denen eines öffentlichen Hafenunternehmens in Deutschland vergleichbar sind.

Gleichzeitig sitzen inzwischen mehrere MSC-nahe Vertreter direkt im Aufsichtsrat der HHLA.

Vor diesem Hintergrund stellt sich aus unserer Sicht die berechtigte Frage, wie unabhängig die strategische Kontrolle des Unternehmens künftig tatsächlich noch erfolgen kann. Zu dieser Frage würde mich Ihre Bewertung sehr interessieren.

Ich komme zu einer weiteren Thematik

Herr Eijsink hat heute Nachhaltigkeit als einen der drei zentralen strategischen Schwerpunkte der HHLA bezeichnet und betont, Nachhaltigkeit sei für die HHLA kein Imageprojekt, sondern ein Wettbewerbsfaktor.

Dieses Ziel begrüßen wir ausdrücklich.

Dennoch sehen wir im Bereich Klima- und Umweltpolitik erhebliche Widersprüche.

Die HHLA betont regelmäßig ihre Nachhaltigkeitsstrategie und das Ziel der Klimaneutralität bis 2040.

Die tatsächliche Entwicklung im Geschäftsjahr 2025 wirft jedoch Fragen an die Glaubwürdigkeit des eingeschlagenen Pfades auf.

Denn die direkten Scope-1-Emissionen sind im vergangenen Jahr nicht gesunken, sondern um 8 Prozent gestiegen.

Auch der Verbrauch fossiler Energieträger wie Diesel, Benzin und Heizöl stieg um 8,5 Prozent.

Wenn Nachhaltigkeit tatsächlich ein harter Wettbewerbsfaktor sein soll, dann müssen sich Fortschritte aus unserer Sicht auch in den Emissionsdaten widerspiegeln.

Besonders kritisch sehen wir, dass diese Entwicklung ausgerechnet in einer Phase erfolgt, in der die HHLA erhebliche Mittel in die Modernisierung und Automatisierung ihrer Anlagen investiert.

Wer technologische Fortschritte und Effizienzgewinne als Grundlage der Transformation hervorhebt, muss sich auch daran messen lassen, ob diese Fortschritte zu einer tatsächlichen Verringerung der Umweltbelastungen beitragen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für uns die Frage, ob die bislang ergriffenen Maßnahmen ausreichen, um die ambitionierten Klimaziele der HHLA tatsächlich zu erreichen.

Deshalb fragen wir:

Welche konkreten zusätzlichen Maßnahmen plant die HHLA, um den Anstieg der direkten Emissionen tatsächlich wieder umzukehren?

Und wie soll das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 glaubwürdig erreicht werden, wenn zentrale Emissionswerte aktuell weiterhin steigen?

zur Dividende:

Wenn die Dividende schon eingespart wird, dann erwarten wir auch, dass Investitionen tatsächlich nachhaltig eingesetzt werden:

  • für sichere Arbeitsplätze,
  • gute Arbeitsbedingungen,
  • Klimaschutz,
  • sowie eine sozial verantwortliche Transformation.

Transformation darf nicht allein unter Effizienz- und Kostengesichtspunkten betrachtet werden.

Und Modernisierung darf nicht dazu führen, dass Transparenz, Mitbestimmung und öffentliche Verantwortung schrittweise zurückgedrängt werden.

Gerade weil die HHLA für Hamburg, für den Hafen und für viele Beschäftigte eine besondere Bedeutung hat, erwarten wir mehr als reine Effizienz- und Wachstumslogik.

Vielen Dank!

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