SAP SE Klimaschutz Hauptversammlung 2026

Software-Riese SAP arbeitet mit Rüstungsindustrie zusammen

Rede Markus Dufner auf der virtuellen Hauptversammlung der SAP SE
am 5. Mai 2026

Die Juristin Dr. Friederike Rotsch (links) wacht im SAP-Aufsichtsrat über die Governance des Unternehmens. Markus Dufner kritisiert bei der virtuellen Hauptversammlung des Walldorfer Software-Riesen die Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie.

Sehr geehrter Herr Klein, sehr geehrter Herr Dr. Pekka Ala-Pietilä,
sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats!

SAP SE gilt im IT-Sektor als Vorreiter im Klimaschutz, orientiert sich am 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens und hat sich verpflichtet, bis 2030 entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Netto-Null) klimaneutral zu werden. In der Vergangenheit hat SAP seine selbst gesteckten Klimaziele sogar häufig übertroffen und bereits 2023 im eigenen Betrieb Klimaneutralität erreicht.

Herr Klein, lassen Sie mich trotzdem mal nachhaken. Das Ziel, bis 2030 Netto-Null-Emissionen in der Wertschöpfungskette zu erreichen, ist recht ambitioniert. Können Sie dieses Ziel tatsächlich auch für die Scope-2-Emissionen erreichen?

Trotz allem gibt es auch Kritikpunkte an und Herausforderungen für SAP. Die Kritik fokussiert sich eher auf die Schwierigkeit der messbaren Umsetzung (Scope 3) und die Qualität der Datenbasis in der Lieferkette, als auf den Willen des Unternehmens. Die Erreichung ist eng mit der Transformation der globalen Energielandschaft verknüpft, wird aber von Experten als „erreichbar“ eingestuft, sofern die hohen Investitionen in Kompensation und Reduktion fortgesetzt werden.

  • Problematik der Scope-3-Emissionen: Während SAP im eigenen Betrieb (Scope 1 & 2) bereits sehr effizient ist (100% erneuerbare Energien), liegt die eigentliche Herausforderung in der Wertschöpfungskette (Scope 3), insbesondere bei den Emissionen durch Cloud-Computing-Partner und Server-Infrastrukturen. Herr Klein, bitte erläutern Sie, wie SAP diese Herausforderung meistern will.
  • Abhängigkeit von Kompensation: Ein Teil der Klimaneutralität wird durch den Zukauf von Zertifikaten erreicht. Dies ist weniger effektiv als die direkte Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen.
    Meine Frage hierzu: Wie hoch war der Betrag, für den SAP 2023, 2024 und 2025 Zertifikate zur Kompensation klimaschädlicher Emissionen zugekauft hat?
  • ESG-Datenqualität bei Kunden: Kritiker, darunter Management-Experten, weisen darauf hin, dass ESG-Informationen in den SAP-Systemen der Kunden oft unvollständig oder fehlerhaft sind, was die Transparenz über die gesamte Lieferkette erschwert. Bitte nehmen Sie dazu Stellung und nennen Sie konkrete Maßnahmen!
  • Energiebedarf von Cloud-Diensten: Mit der verstärkten Migration zu Cloud-Lösungen steigt der Energiebedarf für Rechenzentren, was den Druck auf eine zu 100 % grüne Stromversorgung erhöht. Wie geht SAP damit um?


Wie sieht es bei SAP mit Investitionen in „Grüne IT“ aus?
SAP investiert stark in die Entwicklung von Nachhaltigkeitssoftware (z.B. SAP Sustainability Control Tower), um nicht nur intern, sondern auch für Kunden Emissionen messbar zu machen. Bitte nennen Sie Details.

Nun komme ich zum Thema Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie. Unser Software-Riese SAP arbeitet intensiv mit der Rüstungsindustrie und staatlichen Verteidigungseinrichtungen zusammen, wobei der Verteidigungssektor laut Berichten von Anfang 2026 als das am schnellsten wachsende Geschäftsfeld des Unternehmens gilt. SAP hat 2026 sogar ein spezielles „Defense Innovation Hub“ in München eröffnet. [1, 2, 3]

Rüstungsfirmen und Institutionen, mit denen SAP zusammenarbeitet bzw. diese mit SAP-Software ausstattet sind:

  • Rheinmetall: Der Rüstungskonzern ist ein zentraler Partner bzw. Kunde von SAP.
  • die Bundeswehr: SAP ist ein Hauptdienstleister für die Digitalisierung der Bundeswehr-Logistik und des Personalmanagements.
  • Internationales Militär: SAP liefert Software für Verteidigungsbehörden, wobei SAP National Security Services (NS2) eine zentrale Rolle für US-Militär und Sicherheitsbehörden spielt.
  • Russische Rüstungsindustrie (historisch): Bis 2021/2022 gab es Verbindungen und geschäftliche Vereinbarungen mit Tochterfirmen des russischen Rüstungsmultis Rostec. [1, 2, 3, 4, 5]

Herr Klein, bitte nehmen Sie zu folgenden fünf Kritikpunkten Stellung:

  1. Hohe Qualitätsmängel bei der Bundeswehr: SAP-Systeme für die Bundeswehr (speziell S/4HANA) haben massive Probleme, was zu einer „inaqzeptablen Performance“ führt. Dies beeinträchtigt laut Berichten Ende 2025 die Arbeit von zehntausenden Soldaten und lässt das Projekt als „Millionen-Flop“ erscheinen.
  2. Reputationsrisiko durch Rüstungsboom: SAP wird kritisiert, aktiv vom globalen Anstieg der Rüstungsausgaben zu profitieren (Rüstung als „neues Fundament“).
  3. Kritik an Exporten: Es gab Kritik, dass SAP-Software indirekt in Drittstaaten (z. B. Türkei, Saudi-Arabien) gelangt sein könnte, was ethische Fragen im Kontext von Konflikten aufwirft.
  4. Vergangenheit in Russland: Trotz Sanktionen gegen Rostec gab es bis in das Jahr 2022 Kritik an laufenden Verträgen und Unterstützung für russische Kunden.
  5. Digitale Abhängigkeit: Kritiker bemängeln, dass die Bundeswehr durch die enge Zusammenarbeit mit Cloud-Anbietern (und US-Partnern) ihre digitale Souveränität verliert.

Ich freue mich auf die Beantwortung meiner Fragen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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